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Zur verbreitung des glaucoma simplex in der scheinbar gesunden, augenärztlich nicht behandelten bevölkerung

Research paper by W. Leydhecker

Indexed on: 01 Jan '59Published on: 01 Jan '59Published in: Documenta Ophthalmologica



Abstract

Bei einer Reihenuntersuchung von 10 000 subjektiv augengesunden Personen im Alter von 6–70 Jahren mit dem Tonometer fanden wir bei eingehender klinischer Kontrolle aller Verdächtigen Glaukom bei 1,47% (1,25% der Augen). Nach dem 40. Lebensjahr war Glaukom bei 2,31% aller Personen vorhanden (1,98% der Augen), bei Männern häufiger (2,72% der Personen, 2,36% der Augen), als bei Frauen (1,97% der Personen, 0,85% der Augen). Meist handelte es sich um Anfangsstadien. Gesichtsfeldausfälle bestanden nur bei 0,36% aller Augen (0,65% bei Männern nach dem 40. Lebensjahr).Glaukomverdacht hatten wir bei weiteren 0,5% aller untersuchten Augen.Da ein Teil der Untersuchten mit Miotica behandelt wird, ein anderer Teil die Behandlung ablehnte, können wir später vielleicht durch eine Nachuntersuchung den Nutzen der frühzeitigen Behandlung prüfen. Die Reihenuntersuchung war mindestens für die Glaukomkranken, bei denen schon Gesichtsfeldausfälle eingetreten waren, wertvoll, da deren Fortschreiten durch Normalisierung des i.o. Druckes verhindert oder verlangsamt werden dürfte.Nach unseren Befunden beginnt Glaucoma simplex früher, als man bisher annahm. 0,43% der Männer zwischen 20–29 Jahren hatten Glaukom, weitere 0,32% diesen Alters Glaukomverdacht. Selbst im Alter von 10–19 Jahren fanden wir Glaukomverdacht bei 0,25% aller Untersuchten. Gesichtsfeldausfälle stellen sich erst verhältnismäβig spät ein. Wir fanden sie ebenso häufig wie in der 20 Jahre jüngeren Altersgruppe Glaukom. Es dürfte also rund 20 Jahre dauern, bis alle Personen mit beginnendem Glaukom auch Gesichtsfeldausfälle haben. Dieses anfangs langsame Fortschreiten der Krankheit erklärt, warum die Zahl der an Glaukom Erblindeten viel kleiner ist, als die Zahl der Erkrankten. Lange vor der beidseitigen Erblindung, (die man bei Blindenzählungen berücksichtigt), wird aber die Erwerbsfähigkeit durch den Gesichtsfeldausfall herabgesetzt. Deshalb gibt die Blindenzählung keinen Anhalt für die Schädlichkeit des Glaukoms.Aus dem Vorkommen der typischen Glaukomsymptome in früherem Lebensalter muβ man schlieβen, daβ das Glaukom nicht allein durch Altersveränderungen der Blutgefäβe (Sklerose) entsteht.Erblichkeit lieβ sich bei wenigstens 8,2% aller Glaukomkranken und 4,3% der Verdächtigen nachweisen.2 Patienten litten beidseits an Pigmentglaukom.Ein Unterschied zwischen der Häufigkeit des Glaukoms am rechten oder linken Auge war nicht vorhanden.