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Zur experimentellen Veränderung der Digitalisgiftigkeit

Research paper by Richard Kohn, Basilios C. Costopanagiotis

Indexed on: 01 Dec '33Published on: 01 Dec '33Published in: Naunyn-Schmiedeberg's Archives of Pharmacology



Abstract

Die durch die intravenöse Injektion hypertonischer Kochsalz-, Harnstoff- oder Zuckerlösung hervorgerufenen Druckveränderungen (initialer Anstieg, Senkung, mehrere Minuten anhaltende Steigerung des Blutdruckes) kann an Katzen sehr häufig wiederholt werden und führt auch nach Anwendung großer Mengen zu keiner oder fast keiner Kreislaufschädigung. Bei Anwendung desselben Stoffes besteht häufig die Tendenz zu einem Nachlassen der Druckveränderungen, besonders wird die Senkungsphase beim Kochsalz weniger deutlich.Es wurde die Kombination dieser Lösungen mit Digitalis (Digipurat) bei intravenöser Gabe in drei Modifikationen untersucht. In der ersten wurden sowohl die hypertonisceen Lösungen als auch das Digipurat in einzelnen Dosen injiziert, in der zweiten erfolgte eine Digitalis-infusion in Anlehnung an die Methode von Hatcher u. Brody und ebenfalls eine langsame Infusion der Lösungen, in der dritten wurde Digitalis infundiert, die hypertonischen Lösungen dagegen wie in der ersten Form einzeln injiziert.Dabei ergab sich in der ersten und dritten Form, daß mit zunehmender Digitalisierung sich die Reaktion des Tieres auf die Injektion der hypertonischen Lösungen ändert, indem auf dieselben starke Druckstürze und Arrhythmien auftreten, die bald oder auf Wiederholungen der Injektionen zum Tode führen. Dieser Tod ist ein beschleunigter Digitalislod, er erfolgt aber bei einer Digitalismenge, dic etwa 30–40% unter der bei entsprechender Versuchsanordnung in Normalversuchen ermittelten Dosis let. min. liegt. Bei der zweiten Versuchsanordnung ist diese Herabsetzung weniger deutlich und regelmäßig.Es wird angenommen, daß diese Herabsetzung der Dosis let. min. mit der Veränderung der osmotischen Verhältnisse in Blut und Geweben un Zusammenhang steht, aus diesem Grunde verhalten sich die mit der zweiten Modifikation erhaltenen Befunde anders, da dort infolge des langsamen Einflusses der hypertonischen Lösungen sich osmotische Unterschiede infolge des dauernden Ausgleiches nicht ausbilden können.An durch Sublimat oder Ureterenunterbindung künstlich urämisch gemachten Hunden und Katzen ist die Dosis let. min. für Digitalis ebenfalls erheblich herabgesetzt, was wohl auch mit den gestörten osmotischen Verhältnissen zusammenhängt.Bei der Deutung der Befunde ist an eine Beschleunigung der Digitatisvergiftung durch hypertonische Lösungen zu denken, wobei vielleicht durch diese eine raschere Abgabe der Glykoside von den Serumeiweißkörpern an das Herz bei gesteigerter Permeabilität hervorgerufen wird.