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Zum anwendbaren Recht bei der Ltd-Gründung, Beratung und Werbung durch ausländische Agenturen; Herkunftslandprinzip des ECG und der E-CommerceRL; Vertretungsmonopol der österreichischen Rechtsanwälte; sonstige berufsrechtliche Vorschriften

Research paper by Schuhmacher

Indexed on: 01 May '07Published on: 01 May '07Published in: Wirtschaftsrechtliche Blätter



Abstract

Nach § 21 Z 10 ECG ist das Herkunftslandprinzip auf die Vertretung einer Partei und die Verteidigung ihrer Interessen vor den Gerichten, vor unabhängigen Verwaltungssenaten oder vor Behörden iSd Art 133 Z 4 B-VG nicht anzuwenden. Diese Ausnahme entspricht Art I Abs 5 lit d der E-CommerceRL. Danach ist die Vertretung eines Mandanten und Verteidigung seiner Interessen vor Gericht von der Anwendung des Herkunftslandprinzips ausgenommen. Ihre wörtliche Auslegung legt nahe, dass Beratungsleistungen und damit auch die Werbung für und das Angebot von Beratungsleistungen nicht darunter fallen. Dies steht im Einklang mit dem erklärten Ziel der E-CommerceRL und der diese RL umsetzenden Bestimmungen des ECG, den elektronischen Geschäftsverkehr zu fördern, den das Herkunftslandprinzip ganz wesentlich erleichtert. Ausnahmen davon sind daher eng auszulegen. IdS wird nur die kontradiktorische Auseinandersetzung vor Gericht vom Herkunftslandprinzip ausgenommen, nicht aber die bloße Rechtsberatung. Das Firmenbuchgericht ist nach der Rsp des EuGH kein (vorlageberechtigtes) Gericht, sondern eine Verwaltungsbehörde, weil in anderen MS Verwaltungsbehörden das Firmenregister führen und diese Tätigkeit nicht Teil der Rsp ist. Die vom EuGH angeführten Gründe sprechen dafür, Firmenbuchgerichte auch im Zusammenhang mit den in der E-CommerceRL und im ECG normierten Ausnahmen vom Herkunftslandprinzip nicht als Gerichte zu werten. Die Vorschriften über das Vertretungsmonopol der österr Rechtsanwälte gelten in Österreich; sie sind auf Tätigkeiten im Ausland, wie die Gründung einer Ltd in Großbritannien und damit zusammenhängende Beratungsleistungen sowie die Übermittlung der Urkunden an den (österr) Klienten, nicht anzuwenden. Die Bekl durfte jedenfalls mit guten Gründen der Auffassung sein, bei der Gründung einer Ltd in Großbritannien und der damit zusammenhängenden Beratung sowie der Übermittlung der Urkunden nach Österreich nicht an österr berufsrechtliche Vorschriften gebunden zu sein.