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Vorgehen und Verlauf bei außerklinischem Herzstillstand unter besonderer Berücksichtigung des Patientenwillens – Ergebnisse einer prospektiven Beobachtungsstudie

Research paper by Fritz, C., Ebmeyer, U., Schneemilch, C.

Indexed on: 19 Jul '16Published on: 12 Jul '16Published in: Zeitschrift für Palliativmedizin



Abstract

Einleitung: Das Vorgehen bei außerklinischem Herzstillstand ist durch starken Zeitdruck in Kombination mit unzureichenden anamnestischen Informationen über den Patienten gekennzeichnet. Bei einem Kreislaufstillstand kann das Recht des Patienten auf Selbstbestimmung nur begrenzt berücksichtigt werden, da dieser weder aufklärungs- noch einwilligungsfähig ist. Leitlinien und Patientenverfügungen können notärztliche Entscheidungen beeinflussen. Mit der vorliegenden Arbeit wurde das Vorgehen und der Verlauf von außerklinischen Herzstillständen unter besonderer Berücksichtigung der Kriterien zu Nichtbeginn oder Abbruch von Reanimationsbemühungen untersucht und ob eine vorliegende Patientenverfügung eine Entscheidungshilfe bot. Methodik: Über einen Zeitraum von einem Jahr (Sept. 2012 – Aug. 2013) wurde eine prospektive Single-Center-Beobachtungsstudie aller außerklinischen Reanimationen in Magdeburg durchgeführt, in der 220 Patienten erfasst wurden. Ergebnisse: Bei 43,3 % der Patienten wurde eine Reanimation begonnen und fortgeführt und bei 56,7 % primär keine Reanimationsmaßnahmen eingeleitet bzw. im Verlauf abgebrochen. Eine gültige schriftliche Patientenverfügung lag in 13,3 % der Fälle vor. In 37,2 % der Fälle konnte durch anwesende Angehörige oder Pflegepersonal der derzeitige Krankheitszustand als Entscheidungshilfe herangezogen werden. Das Vorliegen einer Patientenverfügung, in der ein Verzicht auf lebenserhaltende und -verlängernde Maßnahmen dokumentiert war, führte signifikant häufiger zum Abbruch und insbesondere zum Nichtbeginn von Wiederbelebungsmaßnahmen. Diskussion: Die von der Leitlinie zur Reanimation des ERC empfohlenen Kriterien für den Nichtbeginn bzw. Abbruch einer Reanimation bieten eine erste Entscheidungshilfe für Notarzt und Rettungsdienstpersonal. Um den medizinethischen Prinzipien unter den Bedingungen der Notfallmedizin gerecht zu werden und mehr rechtliche Sicherheit für den Notarzt zu bieten, erscheint eine Anordnung für Akutsituationen in Form eines Notfallbogens zusätzlich zur Patientenverfügung unerlässlich.