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Vitamin D im Kindes- und Jugendalter in Deutschland

Research paper by C. Kunz, A. Zittermann

Indexed on: 15 Jul '15Published on: 15 Jul '15Published in: Monatsschrift Kinderheilkunde : Organ der Deutschen Gesellschaft fur Kinderheilkunde



Abstract

Die Erhöhung der Zufuhrempfehlungen zur täglichen Aufnahme von Vitamin D in Deutschland und auch weltweit sind auf neue Erkenntnisse zurückzuführen, die neben seinen klassischen Wirkungen auf den Knochen viele physiologische und pathophysiologische Funktionen betreffen. Deshalb kommt der Vitamin-D-Versorgung nicht nur bei Säuglingen, sondern in der gesamten Kindheit und Jugend eine besondere Rolle zu. Da in dieser Phase i) die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung hat, ii) die Aufnahme über Lebensmittel weniger als 10 % der empfohlenen Menge beträgt und iii) bekannt ist, dass in Deutschland in den Wintermonaten kaum oder kein Vitamin D in der Haut gebildet werden kann, ist eine bessere Versorgung im Kindes- und Jugendalter ohne Supplementeinnahme kaum zu erreichen. Die derzeit diskutierte adäquate Gesamtzufuhrmenge wird von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) mit etwa 800 I.E. Vitamin D/Tag angegeben, während die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. (DGKJ) bei unzureichender Sonnenlichtexposition 600 I.E. empfiehlt. Bei dieser Menge besteht keine Gefahr der Überdosierung, auch nicht für Risikogruppen. Die tägliche Vitamin-D-Zufuhr über Lebensmittel beträgt nur etwa 50–100 I.E.; deswegen müssen die fehlenden 500–700 I.E. über andere Quellen zur Verfügung gestellt werden. Die körpereigene Synthese in der Haut, auf die mit Priorität von allen Fachgesellschaften hingewiesen wird, ist keine zuverlässige Möglichkeit, die Versorgung zu garantieren. Die Empfehlung der DGKJ und auch der Europäischen Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung (European Society of Pediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition, ESPGHAN) zur Einnahme von Vitamin-D-Supplementen bei nichtausreichender Sonneneinstrahlung oder fehlender endogener Synthese gehen in diese Richtung. Problematisch, nicht nur in den Wintermonaten, ist jedoch die praktische Umsetzung, die ein dringliches Anliegen der gesundheitspolitisch Verantwortlichen sein sollte.