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Vitamin C-Stoffwechsel und chronische Benzolvergiftung

Research paper by Josef Hagen

Indexed on: 01 May '38Published on: 01 May '38Published in: International Archives of Occupational and Environmental Health



Abstract

Die hier vorgelegten Untersuchungen hatten folgendes Ergebnis:Es besteht wohl einwandfrei ein Zusammenhang zwischen dem Vitamin C-Stoffwechsel und der Benzolaufnahme bzw. Benzolintoxikation im Sinne einer Hypovitaminose. Zumindest wird dies eindeutig klar durch die eindrucksvolle therapeutische Beeinflussung bei dem benzolvergifteten Tier. Dieses wurde absichtlich der weiteren Benzoleinwirkung ausgesetzt, um erstens eine etwaige therapeutische Beeinflussung durch Vitamin C besonders deutlich zu erweisen und um zweitens den Einwänden zu begegnen, daß sich das Tier auch sonst erholt hätte, wenn nur die weitere Zufuhr von Benzol unterblieben wäre. Es muß noch weiteren Arbeiten überlassen bleiben, Untersuchungen darüber anzustellen einerseits, welche Vorgänge im einzelnen sich abspielen bei der offenbar entgiftenden und wieder aufbauenden Wirkung der Askorbinsäure auf den geschädigten Organismus und andererseits darüber, welche Beeinflussung die Askorbinsäure selbst bei solchen Vorgängen erleidet.Die Methode der Bestimmung der Urinausscheidungswerte von Askorbinsäure in Form von Stichprobenuntersuchungen erweist sich als nicht brauchbar, um ein sicheres Frühdiagnosticum der chronischen Benzolvergiftung darstellen zu können, obwohl in großer Reihenuntersuchung bei Überblick über einen Gesamtkurvenverlauf eine deutliche Beeinflussung der Ausscheidungswerte feststellbar ist, die weit früher eintritt als die Vergiftungsleukopenie.Die therapeutische Wirkung von großen Vitamin C-Gaben im Stadium schon schwererer Benzolintoxikation ist nach diesem Versuch eindeutig sowohl klinisch als auch hämatologisch erkennbar. Der reparierende Einfluß ausreichender Mengen von Vitamin C auf die blutbildenden Organe ist objektiv sichergestellt durch die Ergebnisse der pathologisch-anatomischen, histologischen Untersuchung und somit kann festgestellt werden, daß es sich beim Vitamin C sicher um ein wertvolles Mittel der Therapie und Prophylaxe für die der Benzoleinwirkung ausgesetzten Arbeiter handelt.Auf Grund dieses Ergebnisses der Versuchsreihe möchte ich empfehlen, bei leichteren klinischen Erscheinungen und leichteren Veränderungen des Blutbildes im Sinne einer Leukopenie oder Lymphocytose infolge chronischer Benzolintoxikation bei der ärztlichen Überwachungstätigkeit der Benzolarbeiter nicht, wie bisher allgemein üblich, eine Ausschaltung von der Benzolarbeit vorzunehmen, sondern den Versuch einer therapeutischen Beeinflussung der Vergiftungserscheinungen durch Verabfolgung von Vitamin C-Gaben zu machen unter sorgfältigster und häufigerer klinischer Untersuchung und Kontrolle des Blutbildes. Wichtig erscheint mir aber dabei die Verabreichung von genügend hohen Vitamin C-Gaben, etwa 75 mg bis 400 mg täglich je nach Schwere der Veränderungen.Zurückblickend auf die Ergebnisse derFriemannschen Arbeiten muß festgestellt werden, daß nach den hier vorgelegten Untersuchungen die Methode der Bestimmung der Ausscheidungswerte von Askorbinsäure im Urin für Stichprobenuntersuchung als Frühdiagnosticum einer beginnenden chronischen Benzolvergiftung als nicht genügend zuverlässig abgelehnt werden muß. Die von ihm angestellten Versuche einer therapeutischen Beeinflussung der chronischen Benzoleinwirkung durch Verabreichung von Vitamin C-Gaben wurden einwandfrei bestätigt.