Quantcast

Untersuchungen am Seeregenpfeifer (Charadrius alexandrinus L.) auf der Insel Oldeoog

Research paper by Hans Rittinghaus

Indexed on: 01 Apr '56Published on: 01 Apr '56Published in: Journal of ornithology / DO-G



Abstract

Die Biologie des Seeregenpfeifers wurde an einer beringten Population zehn Jahre lang eingehend untersucht.Die ersten Seeregenpfeifer kommen in der zweiten Märzhälfte an. Das Gros der Population ist aber erst Mitte April am Brutplatz.Der Seeregenpfeifer wird (stets?) vor Vollendung des 1. Lebensjahres geschlechtsreif. Das schließe ich daraus, daß nicht weniger als 28 Vögel (16 ♀♀, 12 ♂ ♂), die ich als Dunenjunge beringt hatte, im folgenden Jahr auf ihrem Gelege gefangen wurden.352 Seeregenpfeifer (von insgesamt 1738 beringten) wurden nach ihrer Beringung bis zu 6 Jahre nacheinander in jeder Brutzeit erneut gefangen, gemessen und gewogen. Die Variationsgrenzen und Mittelwerte von 100 ♂ ♂ und 100 ♀♀ werden mitgeteilt. Das umfangreiche Zahlenmaterial diente Herrn Prof. E.Stresemann dazu, die europäische Rasse des Seeregenpfeifers mitMeinertzhagen alsCharadrius alexandrinus cantianus zu bestimmen.Die Wahl des Nistreviers wird vom ♂ getroffen.Balz und Copula werden beschrieben.Das Vollgelege des Seeregenpfeifers besteht aus 3 Eiern. Der Legeabstand wurde in 22 Nestern genauer kontrolliert. Die Maße von 100 Eiern werden mitgeteilt.Das Gelege wird erst bebrütet, wenn es vollzählig ist. ♂ und ♀ brüten etwa zu gleichen Teilen, das ♀ tagsüber meistens etwas mehr. Die Brutdauer beträgt mindestens 24 Tage; im Mittel von 43 Fällen 26,3 Tage. Im Experiment konnte die Spanne bis auf 33 Tage ausgedehnt werden.Der Seeregenpfeifer macht nur eine Brut. Nachgelege können erfolgen, wenn das erste Gelege vernichtet wird oder die Jungen während der ersten Lebenstage umkommen.Die Reihenfolge des Ausschlüpfens steht in keiner Beziehung zur Reihenfolge der Eiablage. Meist ist etwa 12 Stunden nach dem ersten auch das letzte (dritte) Junge geschlüpft. Das Intervall variiert zwischen 2 und über 24 Stunden.Erst im Alter von etwa 6 Wochen (im Mittel am 41. Lebenstag) werden die jungen Seeregenpfeifer flügge.Mitte Juli etwa zeigen die erfolgreichen Brutvögel schon wieder den Hang zur Geselligkeit. Bei der Nahrungssuche schlagen sie sich dann zu größeren Schwärmen zusammen; bei Hochwasser ruhen sie gemeinsam am Strand. Flügge Jungvögel gesellen sich ihnen zu. Die Fluchtdistanz, die während der Brutzeit fast den Nullwert erreichte, wächst von diesem Zeitpunkt bis zum Verlassen der Insel auf 50 Meter und mehr.Einige farbig beringte Alte und Junge wurden 1955 noch am 22. 9. (dem letzten Beobachtungstag) auf der Insel festgestellt.Beringte Oldeooger Brutvögel wurden im Herbst und Frühjahr (einer im Dezember) an der französischen und iberischen Küste des Atlantischen Ozeans (südwärts bis zur Mündung des Guadalquivir) erbeutet. Drei Vorjährige wurden dort noch im Mai angetroffen.Brutortstreue wurde bis zu 9 Jahren und Gattentreue bis zu 6 Jahren nachgewiesen.Der älteste Seeregenpfeifer wurde mindestens 11 Jahre alt. Das Durchschnittsalter der Brutvögel beträgt mehr als 3, wahrscheinlich sogar mehr als 4 Jahre.