Quantcast

Unklare Synkope: ein Fall für die Anamnese

Research paper by Israel, Carsten W.

Indexed on: 22 Nov '17Published on: 19 Jun '17Published in: Aktuelle Kardiologie



Abstract

Die Abklärung unklarer Synkopen stellt eine häufige und vielfach problematische Aufgabe im klinischen Alltag dar, da die Ursache (z. B. Herzrhythmusstörungen, vasovagal induzierter Blutdruckabfall) meist nur sporadisch auftritt und zum Zeitpunkt der Abklärung nicht nachweisbar ist. Daher ist es in den meisten Fällen erforderlich, mittels einer durchdachten Anamnese die Synkopenursache zumindest sehr wahrscheinlich zu machen und gefährliche Ursachen weitestgehend auszuschließen. Die Anamnese muss zunächst klarstellen, ob es sich um eine Synkope oder einen nicht synkopalen Anfall (syncope mimic) handelt, wobei vor allem Epilepsie (Beginn der Zuckungen, postiktaler Dämmer), psychogene Pseudosynkope (Augen geschlossen, Emotionalität nach dem Anfall), Schlaganfall (neurologisches Defizit nach Wiedererlangen des Bewusstseins) und Drop Attacks (Sturz auf die Knie ohne Bewusstseinsverlust) ausgeschlossen werden sollten. Typisch für die neurokardiale Synkope sind das Fehlen kardiovaskulärer Erkrankungen, Auftreten im Stehen/Sitzen, typische Auslöser und Prodromi. Eine Orthostase tritt meist stereotyp innerhalb von 3 min nach dem Aufstehen auf, oft sind Medikamente mit auslösend. Rhythmogene Synkopen haben häufig keine Prodromi und führen zum Sturz, insbesondere Gesichtsverletzungen sind ein Warnsignal. Besonders bei Synkopen unter Belastung und im Liegen sollte an Arrhythmien gedacht werden. Die Familienanamnese ist zur Erkennung von Kanalerkrankungen und Kardiomyopathien essenziell. Strukturelle Herzerkrankungen können Synkopen über Arrhythmien oder Vorwärtsversagen (z. B. Aortenstenose) auslösen, hinweisend sind auch hier ein Auftreten unter Belastung oder im Liegen sowie weitere Symptome wie Thoraxschmerz und Dyspnoe und die Anamnese einer kardiovaskulären Erkrankung.