Quantcast

Über Störungen des Blutgerinnungssystems bei Erkrankungen der Gallenwege und der Leber

Research paper by H. Graeber, H. Dyckerhoff

Indexed on: 01 Aug '42Published on: 01 Aug '42Published in: Zeitschrift fur die gesamte experimentelle Medizin einschliesslich experimentelle Chirurgie



Abstract

Betrachtet manzusammenfassend die Gelbsuchtsfälle, bei denen sich eine Verlängerung der Prothrombinzeit usw. fand, so erkennen wir, daß es sich meistens um prognostisch ernste oder gar völlig ungünstige schwerste. Leberparenchymschädigungen handelte. War dies nicht der Fall, so bestand außer dem Ikterus noch eine andere Komplikation, wie eine Nephrosklerose, eine Carcinomleber oder eine schwere Sepsis. Ein “gewöhnlicher” Ikterus, ganz gleich welcher Art, führt nicht zur Störung des Blutgerinnungsmechanismus. Diese Beobachtung steht im Widerspruch zu den gewöhnlich in der Literatur erhobenen Befunden. Es ist besonders auffällig, daß Prothrombinmangel da, wo man eine K-Avitaminose erwarten sollte, nie festgestellt, wurde, immer aber bei den Fällen, bei denen das Lebergewebe schwer geschädigt war. Besonders bemerkenswert ist, daß weder die Stärke der Gelbsucht noch der Grad des Gallengangsverschlusses bei der Änderung der Blutgerinnungszeit eine Rolle zu spielen scheint, vorausgesetzt daß die Behinderung des Galleabflusses nicht zu lange besteht. Auch dieTakata-Reaktion, die doch sonst ein ziemlich sicheres Zeichen für den Grad der Leberschädigung ist, steht in keinem Zusammenhang mit der Prothrombinzeitverlängerung. Wir müssen auf Grund unserer Untersuchungen sagen, daß die Bestimmung des Prothrombinspiegels nachQuick (l. c.) und der Blutgerinnungszeit nachDyckerhoff, Goossens undSchwantke (l.c.) für dieklinische. Beurteilung eines Leberschadens von Bedeutung sind. Findet sich eine deutliche pathologische Veränderung, so handelt es sich meist um eine schwere Schädigung des Leberparenchyms. Die Veränderung im Blutgerinnungsmechanismus bei einer Lebererkrankung weist auf ein “Dekompensation” des Organs hin.