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Über Jahreszyklische Veränderungen im Nucleus Lateralis Tuberis der Schleie (Tinca vulgaris)

Research paper by Helmut v. Brehm

Indexed on: 01 Jan '58Published on: 01 Jan '58Published in: Cell and Tissue Research



Abstract

An 4 Schleigehirnen werden die topographischen Verhältnisse des N.l.t. untersucht. Dabei werden außer den bisher bekannten Partes medialis und ventrolateralis ebenfalls bilateral angelegte Partes lateralis und rostralis neu beschrieben. Die einzelnen Anteile des N.l.t. unterscheiden sich zytoarchitektonisch und funktionell. Die Partes medialis und ventrolateralis ähneln einander weitgehend.An 71 Gehirnen von Schleien zwischen 90 und 1560 g Gewicht aus allen Monaten des Jahres werden die neurosekretorischen Phänomene des N.l.t. studiert. Die Pars lateralis steht nicht im Dienst der Sekretproduktion. In den drei anderen Anteilen wird ein Sekret bereitet, das sich mit der Massonschen Trichromfärbung in der Modifikation nach Gomori besonders klar erfassen läßt. Im Gegensatz zum Neurosekret des Nucleus praeopticus färbt es sich nicht mit Chromhämatoxylin.Das granuläre Neurosekret des N.l.t. wird in großen Blasen abgelagert. Sie werden häufig im Zellkern der sekretorischen Zellen, seltener in ihrem Zytoplasma, gelegentlich frei im Gewebe angetroffen. Das Sekret entsteht möglicherweise unter Beteiligung des Nukleolus. Kernkugeln, die ein dem sekretorischen Blaseninhalt identisches phloxinophiles Material enthalten, treten im ersten Teil des Jahres reichlich auf. Ferner wird ein im Zytoplasma gelegenes granuläres oder tropfiges Sekret beschrieben.Charakteristisch für viele Nervenzellen des N.l.t. sind Kerne, die tiefe, mit Zytoplasma ausgefüllte Höhlungen aufweisen. In der Tiefe großer Höhlungen ist der der Kernmembran zugekehrte Zytoplasmaanteil häufig verstärkt basophil.Das Neurosekret des N.l.t. wird je nach Lage der sekrethaltigen Zellen in den Liquor cerebrospinalis oder über den Tractus tubero-hypophyseus abgegeben.Die mit Neurosekret gefüllten Blasen der Partes medialis und ventrolateralis von Schleien zwischen 400 und 800 g Gewicht unterliegen einem Jahreszyklus. Sie treten ab März auf, nehmen bis zum September an Zahl und Größe zu, um in den folgenden Monaten schnell zu verschwinden. Im Winter werden sie nur vereinzelt angetroffen. — Kernkugeln sind ab Januar zu finden und eilen in ihrer Entwicklung den Blasen stets um 2 Monate voraus. Am zahlreichsten sind sie im Juni/Juli, im Winter fehlen sie. — Phloxinophile Kern- und Zytoplasmaeinschlüsse kommen während des ganzen Jahres vor, wenn sie auch im Sommer etwas vermehrt auftreten. — Ähnliches gilt für die Kernhöhlungen, die im August und September am größten sind.In den Tuberkernen von Fischen unter 400 g Gewicht fehlen die sekretorischen Phänomene und damit auch jahreszyklische Veränderungen.Der N.l.t. der Schleien über 800 g Gewicht weist während des ganzen Jahres große Blasen auf. Seine Nervenzellen befinden sich im Zustand einer andauernden Neurosekretion. Ein Jahreszyklus fehlt.Die Nervenzellen der Pars rostralis, deren Kerne häufig stark segmentiert sind, zeigen keine jahreszyklischen Änderungen ihrer Sekretion.Zwischen der Sekretproduktion und den Sexualvorgängen der Schleie bestehen enge Beziehungen. Möglicherweise ist das Sekret des N.l.t. für die Keimzellenreifung von Wichtigkeit. Eine Wirkung über den Hypophysenvorderlappen wird erwogen.