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Über die Einberechnung der Sonnenwanderung bei der Orientierung der Honigbiene

Research paper by E. Meder

Indexed on: 01 Nov '57Published on: 01 Nov '57Published in: Journal of Comparative Physiology A



Abstract

Eine Wiederholung der Wolfsehen Versuche über die Heimflugzeiten der Bienen bei normaler Lage des Stockes sowie nach Versetzung des Bienenstockes um den Winkel der Sonnenwanderung während der Zeit der Gefangenschaft zeigte, daß sowohl die eingesperrt gewesenen wie die Kontrollbienen nach der Freilassung zuerst den normalen Standort des Stockes aufsuchten. Die Angaben von Wolf konnten nicht bestätigt werden.Die Messung der Abflugwinkel vom Futterplatz heimwärts bei Bienen, die 1/2–3 Std in Dunkelhaft gehalten waren und bei Kontrollbienen ergaben keinen wesentlichen Unterschied. Auch konnte kein Zusammenhang zwischen der Azimutdifferenz vom Beginn bis zum Ende der Gefangensetzung und dem mittleren Abflugwinkel festgestellt werden. Die Bienen schlugen auch nach mehrstündiger Gefangenhaltung direkt die Richtung nach dem Stock ein. Es ist demnach erwiesen, daß die Bienen auch nach einer zeitweiligen Dunkelhaft bei ihrer Orientierung die Wanderung der Sonne tageszeitgerecht einkalkulieren.Die Winkelmeßversuche gaben einen Hinweis darauf, daß die Bienen die Sonnenwanderung während der Haftzeit erst dann einkalkulieren, wenn die Azimutdifferenz den Öffnungswinkel eines Ommatidiums überschreitet.Bei wiederholter Versetzung lernen die Bienen durch Erfahrung, daß reine Licht-Kompaß-Orientierung sie irreführt und korrigieren beim Abflug ihre Richtung. Doch behielt bei meinen (stets nur wenige Male wiederholten) Versetzungen die Sonne noch das Übergewicht.Die Eignung meines Versuchsgeländes für die Nachprüfung der Wolfschen Versuche ergibt sich aus einem Vergleich mit dem von Wolf benützten Gelände und ferner daraus, daß Bienen, die vom Futterplatz nach einer anderen Stelle versetzt wurden, in der Richtung abflogen, die sie vom Futterplatz heimgeführt hätte. Ihre Orientierung nach der Sonne konnte so auf direktem Wege quantitativ erfaßt und bewiesen werden.