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Über die Beeinflußbarkeit der Kupferchlorid-Kristallisation durch Liquor cerebrospinalis bei Meningitis tuberculosa

Research paper by Fritz Lehmann-Grube

Indexed on: 01 May '54Published on: 01 May '54Published in: European archives of psychiatry and clinical neuroscience



Abstract

Nach einer kurzen Einleitung und nach Besprechung der über diesen Fragenkomplex sehr kargen Literatur wird eine genaue Beschreibung der Kupferchlorid-Kristallisationsmethode gegeben.Frühere Befunde von Riebeling, die ich auswerten konnte, hatten ergeben, daß bei Zusatz von Liquor zu einer angesäuerten CuCl2-Lösung bestimmte Formen auftreten, die zu differenzieren sind. Liquores, die in jeder Beziehung als normal anzusehen sind, verursachen gewisse charakteristische Kristallformen. Bei Zusatz pathologisch veränderter Hirnflüssigkeiten entstehen Strukturen, die von jenen gut abzutrennen sind. Diese Formen sind vergleichbar mit organischen Wuchsformen; sie ähneln blühenden Gräsern oder Baumflechten. Eine genaue Beschreibung wird an Hand von Photographien vorgenommen. Die jetzigen Ergebnisse an 124 Liquores von 59 Fällen tuberkulöser Meningitiden werden in 3 Gruppen mit Hilfe von 3 Tab. dargestellt. Es zeigt sich, daß in der ersten Gruppe (Liquores mit ausgeprägten pathologischen Liquor-Befunden), die erwarteten Foi men mit aller Regelmäßigkeit auftreten. In der zweiten Gruppe (geringe Restbefunde) werden bei 13 von 30 Liquores deutlich, bei 7 angedeutet die für organischen Prozeß sprechenden Kristallformen gefunden. Da nur 5 Fälle eine geringe Eiweißvermehrung aufweisen, andererseits die corpusculären Elemente abzentrifugiert wurden, wird gefolgert, daß in diesem Material noch gewisse Veränderungen vorliegen, Veränderungen, die mit den „klassischen Methoden“ nicht nachzuweisen sind.In der letzten Gruppe sind die völlig sanierten Liquores zusammengefaßt. Auch unter ihnen sind noch einige mit positivem Kristallbefund nachzuweisen.Schließlich wird auf die formativen Kräfte eingegangen und von einer „Induktionswirkung“ gewisser Bestandteile des Liquors auf den Aussalzungsvorgang des Kupferchlorids gesprochen, wobei dem Eiweiß oder an ihm mehr weniger fest haftenden Begleitstoffen wohl die Hauptrolle zugesprochen werden kann.