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Therapeutische Beeinflussung der radiogenen oralen Mukositis

Research paper by W. Dörr, I. Dölling-Jochem, M. Baumann, Th. Herrmann

Indexed on: 01 Apr '97Published on: 01 Apr '97Published in: Strahlentherapie und Onkologie



Abstract

Die akute Reaktion der Mundschleimhaut ist eine regelmäßige Nebenwirkung der klinischen Strahlentherapie von Kopf-Hals-Tumoren, die in vielen Fällen eine Unterbrechung der Behandlung erzwingt. In den Behandlungspausen besteht gerade bei den im Kopf-Hals-Bereich häufigen Plattenepithelkarzinomen die Gefahr der verstärkten Proliferation von Tumorstammzellen, die in der Folge die Tumorheilungsaussichten drastisch verringern kann. Zudem führen überschießende Akutreaktionen in vielen Fällen zu einer Verstärkung von späten Strahlenfolgen („consequential damage”). Die Verminderung der Schleimhautreaktion mit dem Ziel der Vermeidung von Bestrahlungspausen und der Verminderung von Spätschäden kann den therapeutischen Erfolg der Radiotherapie entscheidend verbessern.Verschiedene Ansätze zur Beeinflussung der strahleninduzierten Mukositis auf symptomatischer oder strahlen- und epithelbiologischer Grundlage wurden zusammengefaßt und systematisch dargestellt.Es existiert eine Vielzahl prophylaktischer und therapeutischer Ansätze zur Verminderung akuter radiogener Reaktionen der Mundschleimhaut. Häufig ist die Wirksamkeit jedoch nur für Chemotherapie oder im Zusammenhang mit einer immunsuppressiven Therapie nachgewiesen, so daß oft eher ein systemischer als ein lokaler Effekt angenommen werden muß.Als allgemeine Mukositisprophylaxe können neben einer Zahnsanierung regelmäßige mundhygienische Maßnahmen nach den Mahlzeiten sowie antiseptische Spülungen herangezogen werden. Die Bedeutung einer engmaschigen persönlichen Betreuung der Patienten ist zu betonen. Das Anlegen eines perkutanen endoskopischen Gastrostoma muß am Zustand des Patienten sowie an der Ausdehnung und Lage des Bestrahlungsfeldes und damit der zu erwartenden Beeinträchtigung der Nahrungsaufnahme orientiert werden. Als therapeutische Maßnahmen bei manifesten Schleimhautreaktionen kommen eine lokale bzw. systemische Schmerzbehandlung sowie die lokale Applikation von Antimykotika und Antibiotika in Betracht.