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Synkopen

Research paper by Karl Martin Klein

Indexed on: 08 Jan '17Published on: 19 Dec '16Published in: Zeitschrift für Epileptologie



Abstract

Zusammenfassung Etwa 25 % der Bevölkerung erleiden mindestens einmal im Leben eine Synkope. Synkopen stellen damit die häufigste Differenzialdiagnose von epileptischen Anfällen dar. Aufgrund der unterschiedlichen Prognose und Therapie unterscheidet man kardiale Synkopen, Synkopen bei orthostatischer Hypotension und Reflexsynkopen, von denen die vasovagalen (neurokardiogenen) Synkopen die häufigste Form darstellen. Vasovagale Synkopen treten typischerweise bei langem Stehen, Sehen von Blut, Schmerzen und medizinischen Prozeduren auf. Die Pathophysiologie der vasovagalen Synkopen ist nur teilweise geklärt. Auch genetische Faktoren, meist im Rahmen eines komplexen Vererbungsmodus, spielen eine Rolle. Eine differenzialdiagnostische Einschätzung ist oft anhand der Anamnese möglich. Typische vasovagale Trigger, ein typisches Prodrom und eine bleiche Gesichtsfarbe sprechen für eine Synkope, wohingegen eine zyanotische Gesichtsfärbung, das Vorliegen eines Zungenbisses und ein prolongierter postiktaler Zustand für einen epileptischen Anfall sprechen. In unklaren Fällen und bei Verdacht auf kardiale Synkopen können weitere Untersuchungen erforderlich sein. Aufgrund der erhöhten Mortalität müssen Patienten mit kardialen Synkopen zügig kardiologisch betreut werden. Bei vasovagalen Synkopen ist die Mortalität nicht erhöht, sodass als Therapieziel die Vermeidung von weiteren Synkopen anzusehen ist. Dies kann durch Verhaltensänderungen geschehen, z. B. Meiden der auslösenden Situationen, Hinlegen beim Auftreten des Prodroms bzw. Anspannung der Beine und Arme, um einen weiteren Blutdruckabfall zu verhindern. Es gibt nur wenig Evidenz für medikamentöse Therapieoptionen. Herzschrittmacher haben meist keinen Effekt. Lediglich bei Patienten über 40 Jahre mit häufigen vasovagalen Synkopen, Asystolie und negativer Kipptischuntersuchung scheint die Implantation eines Herzschrittmachers hilfreich zu sein.ZusammenfassungEtwa 25 % der Bevölkerung erleiden mindestens einmal im Leben eine Synkope. Synkopen stellen damit die häufigste Differenzialdiagnose von epileptischen Anfällen dar. Aufgrund der unterschiedlichen Prognose und Therapie unterscheidet man kardiale Synkopen, Synkopen bei orthostatischer Hypotension und Reflexsynkopen, von denen die vasovagalen (neurokardiogenen) Synkopen die häufigste Form darstellen. Vasovagale Synkopen treten typischerweise bei langem Stehen, Sehen von Blut, Schmerzen und medizinischen Prozeduren auf. Die Pathophysiologie der vasovagalen Synkopen ist nur teilweise geklärt. Auch genetische Faktoren, meist im Rahmen eines komplexen Vererbungsmodus, spielen eine Rolle. Eine differenzialdiagnostische Einschätzung ist oft anhand der Anamnese möglich. Typische vasovagale Trigger, ein typisches Prodrom und eine bleiche Gesichtsfarbe sprechen für eine Synkope, wohingegen eine zyanotische Gesichtsfärbung, das Vorliegen eines Zungenbisses und ein prolongierter postiktaler Zustand für einen epileptischen Anfall sprechen. In unklaren Fällen und bei Verdacht auf kardiale Synkopen können weitere Untersuchungen erforderlich sein. Aufgrund der erhöhten Mortalität müssen Patienten mit kardialen Synkopen zügig kardiologisch betreut werden. Bei vasovagalen Synkopen ist die Mortalität nicht erhöht, sodass als Therapieziel die Vermeidung von weiteren Synkopen anzusehen ist. Dies kann durch Verhaltensänderungen geschehen, z. B. Meiden der auslösenden Situationen, Hinlegen beim Auftreten des Prodroms bzw. Anspannung der Beine und Arme, um einen weiteren Blutdruckabfall zu verhindern. Es gibt nur wenig Evidenz für medikamentöse Therapieoptionen. Herzschrittmacher haben meist keinen Effekt. Lediglich bei Patienten über 40 Jahre mit häufigen vasovagalen Synkopen, Asystolie und negativer Kipptischuntersuchung scheint die Implantation eines Herzschrittmachers hilfreich zu sein.