Quantcast

Studien zur Verwertung parenteral zugeführter Aminosäurelösungen

Research paper by H. G. Knauff, G. Mayer, F. Drücke

Indexed on: 01 Aug '66Published on: 01 Aug '66Published in: Klinische Wochenschrift



Abstract

1. Bei gesunden Versuchspersonen wurden zwei verschiedenen Aminosäureinfusionslösungen geprüft. Eine handelsübliche Lösung enthielt nur die essentiellen Aminosäuren in dl-Form in einer am Bedarfsminimum nachRose orientierten Menge und daneben eine größere Menge Glykokoll. In einer von uns zusammengestellten Versuchslösung gleichen Aminosäuregehalts waren alle physiologischen Aminosäuren in l-Form und in der gleichen Relation vorhanden, in der sie im Plasma vorkommen.2. Die Konzentration der einzelnen freien Plasmaaminosäuren wurde vor, sofort nach sowie 1 Std und 3 Std nach der Infusion mittels Ionenaustauscher-chromatographie quantitativ bestimmt. Die Ausscheidung der verschiedenen Aminosäuren im Harn wurde am Infusionstag und an einem Kontrolltag bei konstanter Diät gemessen.3. Die Versuchslösung war klinisch ausgezeichnet verträglich. Alle Plasmaaminosäuren zeigten einen ziemlich gleichmäßigen Konzentrationsanstieg unter weitgehender Wahrung ihrer gegenseitigen physiologischen Relationen. Aminosäureimbalancen wurden dadurch vermieden. Nach Infusion der handelsüblichen Lösung war der Anstieg der einzelnen Aminosäuren sehr unterschiedlich. Dadurch wurde das natürliche Aminosäuremuster des Plasmas erheblich verändert. Der Gesamtaminostickstoff stieg nach Infusion der Versuchslösung weniger stark an wie nach Infusion der handelsüblichen Lösung.4. Mehrere Stunden nach der Infusion sank die Konzentration vieler Aminosäuren unter ihren Ausgangswert. Dies spricht für eine stärkere Stimulierung der Aminosäureutilisation.5. Die Mehrausscheidung von Aminosäuren im Harn war nach Infusion der Versuchslösung deutlich geringer als nach der handelsüblichen Lösung. Dabei scheint die Eliminationsrate der Einzelaminosäuren vorwiegend von ihrer sehr unterschiedlichen Nierenschwelle abzuhängen. Da die verschiedenen Aminosäuren bei der Rückresorption um spezifische Transportmechanismen konkurrieren, kann sich die Eliminationsrate der Einzelsubstanzen mit Änderung des Aminosäuremusters des Plasmas erheblich ändern. Die alleinige Betrachtung der Aminosäureausscheidung ist für die Beurteilung einer Aminosäureinfusionslösung daher weniger geeignet.6. Bei der Zusammenstellung neuer Infusionslösungen sollte man sich weniger an theoretischen „Bedarfsminima“ als an beobachteten Stoffwechselveränderungen orientieren und dabei auch feine Unterschiede im Verhalten der einzelnen Substanzen berücksichtigen.