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Stoffwechsel und physiologische Funktion von Histamin im Magen

Research paper by Wilfried Lorenz, Klaus Pfleger

Indexed on: 01 Jan '68Published on: 01 Jan '68Published in: Klinische Wochenschrift



Abstract

1. Histamin kommt in der Magenwand aller untersuchten Arten in hoher Konzentration vor, in der Schleimhaut vor allem in oder nahe bei Belegzellen, mucoiden Drüsenzellen, Mastzellen und enterochromaffinen Zellen.2. Histamin wird in der Magenschleimhaut aller untersuchten Arten in ausreichendem Maße vor allem durch die spezifische Histidindecarboxylase gebildet, die sich in erster Linie in oder in der Nähe von den Belegzellen und mucoiden Drüsenzellen befindet. Die unspezifische HDC kommt in der Mucosa vor allem in den enterochromaffinen Zellen vor.3. Die Histamininaktivierung im Magengewebe erfolgt bei Mensch, Katze, Kaninchen, Meerschweinchen und Maus überwiegend durch Histaminmethyltransferase, bei der Ratte durch Diaminoxydase.4. Histamin stimuliert die Magensaftsekretion bei allen untersuchten Arten. Zwischen Histamingehalt der Schleimhaut, Histaminbildung und Empfindlichkeit der Belegzellen gegenüber Histamin besteht eine Korrelation.5. Histamin wird durch eine große Zahl von Substanzen aus Mastzell- und Nichtmastzellspeichern freigesetzt. Beweisgründe werden erbracht, daß Gastrin und cholinerge Mechanismen die Magensaftsekretion durch Freisetzung von Histamin stimulieren. Histamin ist danach der finale Chemostimulator.6. Durch Verdauungsvorgänge, Gastrin und Anlegen eines portocavalen shunts kommt es zu vermehrter Histaminbildung durch Induktion der spez. HDC, ebenso durch Glucocorticoide, Thyroxin und entzündungshemmende Substanzen wie Indomethazin, Salicylate, Phenylbutazon, Fluphenaminsäure. Auch Streß, Kältereiz und Serotonin haben diese Wirkung.7. Die Wirkung der Antihistaminica auf die Magensaftsekretion ist noch nicht befriedigend geklärt. Die Hemmung der Magensaftsekretion bei der Ratte durch das Antihistaminicum Phloxin ist sicher spezifisch.8. Bei der Ratte ist die physiologische Wirkung von Histamin als finalem Chemostimulator der Magensekretion erwiesen, bei allen anderen Species wahrscheinlich.