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Sozialepidemiologie einer neuen Einsatzkategorie

Research paper by T. K. Schmitt, T. Luiz, S. Poloczek, T. Huber, M. Kumpch, C. Madler

Indexed on: 05 Mar '14Published on: 05 Mar '14Published in: Notfall + Rettungsmedizin



Abstract

Die Einsatzrealität bundesdeutscher Rettungsdienste wird zunehmend von psychiatrischen Erkrankungen und psychosozialen Notlagen geprägt. Mit der vorliegenden Arbeit sollen erstmals sozialepidemiologische Daten zu dieser Entwicklung bereitgestellt werden. Neben der Häufigkeit psychosozialer Notfälle wird deren Abhängigkeit von demographischen und sozioökonomischen Einflussfaktoren untersucht. Hierzu erfolgte eine retrospektive, anonymisierte Auswertung aller 2691 Notarzteinsatzprotokolle der Stadt Kaiserslautern des Jahres 1999 (25 Einsätze/1000 Einwohner). Dabei ließ sich feststellen, dass mit absteigenden sozioökonomischen Ressourcen die psychiatrisch und psychosozial bedingten Notfalleinsätze zunahmen. Gegenüber den Gesamteinsätzen mit einer Häufung der Einsätze bei Patienten >60 Lebensjahren (56%), war bei psychiatrisch-psychosozial bedingten Einsätzen überwiegend die mittlere Altersgruppe (30–50 Lebensjahre) betroffen (48%). Die Verbesserung der sozioökonomischen Situation von 1997 nach 1999 (Verringerung der Arbeitslosenrate von 16,1% auf 14,2% und Rate der Personen mit dauernder Hilfe zum laufenden Lebensunterhalt von 4,9% auf 3,9%) ging mit einer Abnahme der psychiatrisch-psychosozial bedingten Einsätze (3,4 auf 2,6 pro 1000 Einwohner) einher. Zur Verifizierung der retrospektiv gefundenen Ergebnisse sind prospektive Studien erforderlich.