Quantcast

Soziale Ungleichheit beim Stillen in Deutschland

Research paper by I.-M. Rückert, A. Mielck

Indexed on: 16 Nov '07Published on: 16 Nov '07Published in: Prävention und Gesundheitsförderung



Abstract

Der Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status (SES) der Mutter einerseits und dem Stillen andererseits wurde bereits in mehreren empirischen Studien beschrieben, meist jedoch nur am Rande. Eine deutschsprachige Veröffentlichung speziell zum Thema „Stillen und SES“ liegt unseres Wissens bisher noch nicht vor. Es fehlt auch ein Überblick über die bereits verfügbaren empirischen Informationen zu diesem Thema. Dies hat dazu geführt, dass bis heute kaum über das Thema „soziale Ungleichheit beim Stillen“ diskutiert wird. Die hier vorgestellte Arbeit soll eine Antwort auf die Frage geben, in welchen sozialen Statusgruppen ein besonders großer Bedarf an Maßnahmen zur Förderung des Stillens vorhanden ist, und welche Handlungsempfehlungen sich daraus ableiten lassen.Der Überblick basiert auf einem systematischen Review epidemiologischer Studien, in denen (meist im Rahmen anderer Fragestellungen) Daten zum Stillen und/oder zur Stilldauer sowie zum SES erhoben wurden. Hauptquelle war dabei die elektronische Datenbank „Medline“.Insgesamt wurden 15 Publikationen aus Deutschland gefunden, die eine Aussage über den Zusammenhang zwischen Stillen und SES beinhalten. In einer Studie wurde kein klarer Zusammenhang gefunden, sie weist allerdings eine sehr kleine Fallzahl auf. Die anderen 14 Studien ergeben dagegen ein deutliches Bild: Mütter mit einem höheren sozialen Status (zumeist definiert über den Bildungsabschluss) stillen häufiger und länger als Mütter mit einem niedrigen sozialen Status. In 8 weiteren Untersuchungen wurden zwar Daten zu Stillen und SES erhoben, jedoch nicht miteinander in Beziehung gesetzt.In der Diskussion über das Stillen wird immer wieder betont, dass Muttermilch die beste Form der Ernährung für Säuglinge bis zu einem Alter von mindestens 6 Monaten sei. In Deutschland ist beim Stillen (nach einem deutlichen Tiefstand in den 1970er Jahren) in letzter Zeit wieder eine „Renaissance“ zu beobachten, aber offenbar ist eine intensivere Stillförderung besonders bei den unteren Statusgruppen erforderlich. Als Ansatz zur Erklärung dieser statusspezifischen Unterschiede beim Verbreitungsgrad gesundheitsrelevanten Verhaltens bietet sich das Modell „diffusion of innovations“ an.