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Sexuelle Funktionsstörungen: Ausprägungen, Pathogenese, Diagnostik und Therapiemöglichkeiten

Research paper by G. Kockott

Indexed on: 08 Apr '14Published on: 08 Apr '14Published in: Der Urologe. Ausg. B



Abstract

Die häufigsten sexuellen Funktionsstörungen der Frauen sind herabgesetzte sexuelle Appetenz, Erregungs und Orgasmusstörungen, sowie Schmerzen beim Verkehr. Männer leiden vor allem an Erektionsproblemen und vorzeitigem Orgasmus. Zwischen den sexuellen Funktionsstörungen der Frau und des Mannes besteht ein wesentlicher Unterschied. Während die Störungen beim Mann sehr isoliert bestehen, z. B. eine Erektionsstörung bei sonst voll erhaltenen sonstigen sexuellen Funktionen, treten die Störungen bei der Frau sehr viel seltener isoliert auf. Die Symptomatik einer Störung ist dann oft die Folge oder auch die Ursache einer anderen, z. B. Orgasmusstörungen als Folge von Erregungsstörungen. Lediglich der Vaginismus der Frau scheint isoliert vorzukommen. Die sexuellen Funktionsstörungen haben keine einzelne Ursache; immer läßt sich ein Ursachenbündel finden. Dabei können körperliche und psychische Bedingungen ineinander greifen. Obwohl die Psychogenese überwiegt, sollte jeder Patient mit sexuellen Funktionsstörungen körperlich gründlich untersucht werden; das trifft insbesondere bei Frauen mit Schmerzen beim Verkehr und bei Männern mit Erektionsstörungen im höheren Lebensalter zu. Die häufigsten psychischen Ursachen sind innerpsychische Ängste, Partnerprobleme, Lerndefizite und der Selbstverstärkungsmechanismus der Versagensangst. Frauen sehen meistens den Zusammenhang ihrer Störungen mit psychischen Problemen; Männer sind oft auf körperliche Ursachen fixiert. Sexuelle Probleme lassen sich häufig durch kompetente Sexualberatung lösen. In der Psychotherapie psychosexueller Funktionsstörungen haben sich das Vorgehen nach Masters und Johnson und seine Variationen als ganz entscheidender Fortschritt erwiesen. Die Modifikationen erstrecken sich insbesondere auf verkürzte Behandlungsprogramme, sowie die Verbindung mit tiefenpsychologischen und kognitiven Therapieansätzen.