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Schizophrene Patienten der forensischen Psychiatrie im Vergleich zu schizophrenen Patienten der Allgemeinpsychiatrie

Research paper by Kristina Kruse, Sven-Uwe Kutscher, Norbert Leygraf

Indexed on: 20 Mar '13Published on: 20 Mar '13Published in: Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie



Abstract

In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der wegen eines Gewaltdeliktes gemäß § 63 StGB untergebrachten schizophrenen Patienten in den letzten Jahren stetig gestiegen. Einige Forscher nehmen an, dass es sich bei diesen forensischen Patienten um eine besonders komplex gestörte Patientengruppe mit einer Reihe von Risikomerkmalen handelt, die in der Allgemeinpsychiatrie unzureichend vorbehandelt wurde. Die vorliegende Untersuchung zielt darauf ab, allgemeinpsychiatrische und forensische schizophrene Patienten hinsichtlich ihrer Behandlungsvorgeschichte und bestimmter Merkmale zu vergleichen, um Hinweise auf Risikomerkmale zu erhalten.Jeweils 72 männliche schizophrene Patienten der Allgemeinpsychiatrie und der forensischen Psychiatrie wurden anhand eines standardisierten Interviews zu ihrer psychiatrischen Vorbehandlung und zu ihrer Delinquenzvorgeschichte befragt. Anhand von Arztbriefen sowie Angaben ambulanter Vorbehandler und Betreuer wurde die Behandlungsvorgeschichte der Patienten rekonstruiert. Die selbst berichtete Vorstrafenbelastung wurde mit Bundeszentralregisterauszügen verglichen.Im Vergleich zu den allgemeinpsychiatrischen Patienten wiesen die forensischen Patienten eine geringere Einbindung in das psychiatrische Versorgungsnetzwerk, eine geringere medikamentöse Compliance, mehr Zwangsbehandlungen wegen Fremdaggressivität, mehr Behandlungsschwierigkeiten und mehr gewalttätige Verhaltensweisen während stationärer Vorbehandlungen auf. Auch bestand bei den forensischen Patienten eine höhere Vorstrafenbelastung, und sie waren häufiger wegen eines Gewaltdeliktes vorbestraft. Die Patientengruppen waren hinsichtlich weiterer wesentlicher Risikomerkmale (komorbide Sucht, Alter, Bildung, Störungen des Sozialverhaltens, antisoziale Persönlichkeitsstörung, Gewalt- und Missbrauchserfahrungen) jedoch vergleichbar.Für schizophrene Patienten mit einer komorbiden Suchtdiagnose, gewalttätiger Vordelinquenz und gewalttätigen Verhaltensweisen während stationärer Voraufenthalte sollte bereits vor der Entlassung aus der Allgemeinpsychiatrie die Anbindung an das ambulante Versorgungsnetzwerk mit besonders intensiver Nachbetreuung, ggf. unter Einbindung des gesetzlichen Betreuers, vorbereitet werden.