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Psychoedukative Interventionen in der Behandlung von Patienten mit schizophrenen Störungen

Research paper by G. Wiedemann, S. Klingberg, G. Pitschel-Walz, und Arbeitsgruppe Psychoedukation*

Indexed on: 01 Sep '03Published on: 01 Sep '03Published in: Der Nervenarzt



Abstract

Unter Psychoedukation werden systematische didaktisch-psychotherapeutische Interventionen zusammengefasst, die dazu geeignet sind, Patienten und ihre Angehörigen über die Krankheit und ihre Behandlung zu informieren, das Krankheitsverständnis und den selbstverantwortlichen Umgang mit der Krankheit zu fördern und sie bei der Krankheitsbewältigung zu unterstützen. Im Rahmen einer Psychotherapie bezeichnet Psychoedukation den Bestandteil der Behandlung, bei dem die aktive Informationsvermittlung, der Austausch von Informationen unter den Betroffenen und die Behandlung allgemeiner Krankheitsaspekte dominieren (Definition von Psychoedukation der Arbeitsgruppe "Psychoedukative Interventionen bei schizophrenen Erkrankungen"). In der vorliegenden Arbeit werden in Anlehnung an das Konsensuspapier der Arbeitsgruppe die Ziele und unterschiedlichen Formen psychoedukativer Interventionen dargestellt. Am Beispiel der Tübinger Psychotherapiestation für Patienten mit einer schizophrenen Erkrankung wird die Integration von Psychoedukation in ein Gesamtbehandlungskonzept veranschaulicht. Als besondere zukünftige Indikation wird der Einsatz in der Früherkennung und Frühbehandlung von Erkrankungen dargestellt. Schließlich wird der Stand der Forschung referiert und dabei die ganze Bandbreite von kürzeren informationszentrierten Interventionen bis zu umfassenderen Familieninterventionen mit kognitiv-verhaltenstherapeutischen Elementen berücksichtigt. Außerdem werden offene Forschungsfragen diskutiert. Es wird deutlich, dass psychoedukative Interventionen die Rückfall- und Rehospitalisierungsraten reduzieren und das psychosoziale Funktionsniveau bei Patienten mit einer schizophrenen Erkrankung verbessern können.