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Probleme bei der ärztlichen Leichenschau

Research paper by M.A. Rothschild

Indexed on: 16 Sep '09Published on: 16 Sep '09Published in: Rechtsmedizin



Abstract

Grundsätzlich sind alle Ärzte in Deutschland zur Leichenschau verpflichtet. Im Anschluss an die Leichenschau muss eine Todesbescheinigung ausgestellt werden. Diese enthält überwiegend juristisch relevante Fragen, die aber von Medizinern beantwortet werden müssen. Damit sind viele Probleme verbunden.Hauptproblem ist der Interessenkonflikt in der Rolle als fürsorgender Hausarzt einerseits und neutraler Sachverständiger andererseits. Häufig ist der Hausarzt erheblichem Druck durch die Angehörigen, aber auch die Polizei ausgesetzt, einen natürlichen Tod zu attestieren. Zudem wird das Honorar als völlig unzureichend empfunden.Klinikärzte wünschen sich vor allem Klarheit darüber, welche Todesart bei einem Tod im engen zeitlichen Zusammenhang mit ärztlichen Maßnahmen zu attestieren ist, und mehr Rückkopplung über Obduktionsergebnisse.Aufgrund der Nähe zur Polizei besteht häufig hoher Erwartungsdruck, trotz Unkenntnis der Vorgeschichte einen natürlichen Tod zu attestieren. Auch besteht regelmäßig ein Interessenkonflikt, ob medizinische Zugänge belassen werden sollen.Die Polizei beobachtet sehr häufig, dass die Ärzte keine „ordentliche“ Leichenschau durchführen. Im Krankenhaus begegnet den Polizeibeamten oft mangelnder Kommunikationswille der Ärzte.Das System der Leichenschau in Deutschland ist dringend reformbedürftig. Die Ausbildung der Medizinstudierenden und die regelmäßige Fortbildung der Ärzte in der Leichenschau müssen intensiviert und die Obduktionsrate zur Klärung der tatsächlichen Todesursache und Todesumstände signifikant erhöht werden.