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Pars-plana-Lensektomie bei kongenitaler Katarakt, klinische Langzeitergebnisse

Research paper by W. Philipp, W. Riha, L. Speicher, I. Baldissera

Indexed on: 01 Jun '05Published on: 01 Jun '05Published in: Spektrum der Augenheilkunde



Abstract

Bei der Operation der kindlichen Katarakt muss einerseits die hohe Nachstarrate, andererseits das noch nicht abgeschlossene Längenwachstum des kindlichen Auges berücksichtigt werden, das bei einer zu frühen Linsenimplantation zu einem starken myopen Shift führen kann. Aus diesem Grund wird in der Regel bei Kindern unter 1,5–2 Jahren generell keine Kunstlinse implantiert und der postoperative Refraktionsausgleich erfolgt zunächst am besten mit einer Kontaktlinse während bei älteren Kindern immer mehr dazu übergegangen wird primär eine Hinterkammerlinse zu implantieren. Die Operation ist sowohl über einen limbusnahen Zugang, als auch über die Pars-plana möglich. Die vorliegende Arbeit analysiert unsere Erfahrungen mit letztgenannter Technik und die daraus folgenden Langzeitergebnisse bezüglich Nachstarrate, Visus, Refraktionsentwicklung und Binokularfunktion.Im Zeitraum von 1994 bis 2002 führten wir an 26 Augen von 15 Patienten eine Pars-plana-Lensektomie mit einer vorderen und hinteren Kapsulotomie sowie eine vordere Vitrektomie durch. Bei 11 Patienten bestand eine bilaterale Katarakt (22 Augen, durchschnittliches Alter bei OP 2,3 Monate), bei 4 Patienten eine unilaterale Katarakt (4 Augen, Alter zwischen 1 Monat und 3,5 Jahren). Postoperativ erfolgte der Aphakieausgleich mittels Kontaktlinsen oder Brillen sowie eine orthoptische Nachbehandlung an der Sehschule. Bei 7 Augen wurde im Alter zwischen 3,5 und 6 Jahren eine Sekundärimplantation einer Hinterkammerlinse durchgeführt.Bei allen Augen konnten durch die Operation klare optische Medien erreicht werden. Der durchschnittliche Visus cc. betrug nach bilateralen Katarakten mit 4a 0,3 und mit 7a 0,5 (Range 0,16–0,8). Bei 4 Augen trat zwischen 1,5 und 3,5 Monaten postoperativ zentral ein regeneratorischer Nachstar auf, der operativ entfernt werden musste. Ansonsten wurden bis auf einen Fall eines Sekundärglaukoms keine Komplikationen dokumentiert. Bei 2 Patienten war Simultansehen, bei 2 Fusion und bei einem Stereosehen nachweisbar. Bei 3 Kindern kam es zu keiner Binokularfunktion, die restlichen waren diesbezüglich auf Grund des Alters nicht beurteilbar. Nach unilateraler Katarakt konnte ein durchschnittlicher Visus cc. von 0,1 am operierten Auge erreicht werden. Eine Binokularfunktion war nur bei einem Patienten nachweisbar. Die Refraktion der aphaken Augen verringerte sich durchschnittlich von +25 Dpt. mit wenigen Monaten auf +20 Dpt. mit la, auf + 17 Dpt. mit 3a und stabilisierte sich schließlich mit ca. 4–7 Jahren bei +16 bis +17 Dpt.Die Pars-plana-Lensektomie erwies sich in unseren Händen als eine sichere und komplikationsarme Methode der Kataraktoperation in den ersten beiden Lebensjahren, in denen die Implantation einer Linse wegen des noch nicht abgeschlossenen Wachstums des Auges später zu einem massiven myopen Shift führen kann. Um möglichst eine Nachstarbildung besonders bei Kindern in diesem Lebensalter zu verhindern, kann mit dieser Technik relativ einfach zugleich eine hintere Kapsulotomie und vordere Vitrektomie durchgeführt werden. Später kann nach weitgehend abgeschlossenem Längenwachstum des Auges sekundär eine Hinterkammerlinse mit einem in der Regel guten refraktiven Ergebnis implantiert werden.