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Orales Papaverin reduziert die morphinbedingte Obstipation ohne Abschwächung der Analgesie nach oralem Morphin

Research paper by I. Jurna, K. Jurna, J. Baldauf, M. Zenz

Indexed on: 01 Jan '96Published on: 01 Jan '96Published in: Schmerz (Berlin, Germany)



Abstract

Eine der häufigsten Nebenwirkungen bei langfristiger Anwendung von Opioiden zur Schmerzbehandlung ist eine Obstipation. Diese beruht vor allem auf einer Lähmung der propulsiven Darmmotorik und einer spastischen Kontraktion der Ringmuskulatur durch Bindung der Opioide an Opioidrezeptoren im Magen-Darm-Trakt. Da Papaverin nicht auf Opioidrezeptoren wirkt, glatte Muskulatur jedoch zum Erschlaffen bringt, bietet sich eine orale Gabe von Papaverin für eine Beseitigung der Morphinobstipation ohne Beeinträchtigung der analgetischen Wirkung von Morphin an. In Versuchen an Ratten verlängerte oral angewendetes Morphin (2,5 und 5 mg/kg) die Darmpassage von ca. 420 min in den Kontrollen auf mehr als 600 min. Papaverin (0,5, 1 und 2 mg/kg) oral zusammen mit Morphin gegeben reduzierte die durch Morphin verzögerte Darmpassage. Im Tail-flick-Test, der als Indikator für das Vorliegen einer analgetischen Wirkung dient und auf der Auslösung eines Fluchtreflexes durch Einwirken von Hitze auf den Schwanz der Tiere beruht, verlängerte Morphin (2,5 und 5 mg/kg) die Reflexlatenz bis zu 3 h nach der oralen Gabe. Bei gemeinsamer oraler Gabe von Morphin mit Papaverin (0,5, 1 und 2 mg/kg) wurde die antinozizeptive Wirkung von Morphin nicht abgeschwächt. Oral appliziertes Morphin (2,5 und 5 mg/kg) reduzierte außerdem die in einzelnen Neuronen des Thalamus evozierte, schmerzäquivalente Aktivität um 60% der Kontrollen. Diese Dämpfung wurde durch gleichzeitig oral gegebenes Papaverin nicht abgeschwächt. Diese Befunde lassen erwarten, daß orales Papaverin auch beim Menschen in geeigneten Dosen die durch Opioide ausgelöste Obstipation verringern kann, ohne dabei die analgetische Wirkung zu beeinträchtigen.