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Normative Modelle, institutionelle Typen und beobachtbare Verhaltensmuster: Ein Vorschlag zum Vergleich parlamentarischer Demokratien

Research paper by Steffen Ganghof

Indexed on: 01 Sep '05Published on: 01 Sep '05Published in: Politische Vierteljahresschrift



Abstract

Der Beitrag schlägt eine zweidimensionale, institutionelle Bestimmung von Typen parlamentarischer Demokratien vor, im Hinblick auf die Proportionalität des Wahlsystems einerseits und (quasi-)legislative Vetopunkte andererseits. Dabei werden drei Grundtypen der parlamentarischen Demokratie unterschieden: die pluralitäre, die majoritäre und die supermajoritäre. Die Typologie hat bedeutsame Vorteile gegenüber dem Ansatz von Arend Lijphart. Sie lässt sich durch eine zweidimensionale Konzeptualisierung konsistent fundieren, sie schließt an zentrale Kontroversen der normativen Demokratietheorie an, sie ermöglicht eine systematische Anknüpfung an handlungstheoretische Ansätze wie die Vetospielertheorie und sie stellt die Eigenarten der majoritär verfassten Demokratie heraus, welche bei Lijphart systematisch unterbelichtet bleiben. Die wichtigste Variante dieses Typs zeichnet sich durch die Anwendung des Proporzprinzips im Wahlsystem und des Mehrheitsprinzips im Gesetzgebungsprozess aus. Es wird gezeigt, dass in diesen Demokratien die legislative Mehrheitsregel selbst zu „konsensualen“ Verhaltensmustern beitragen kann.