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Münchhausen-by-proxy-Syndrom als Kindesmisshandlung

Research paper by M. Noeker, K. M. Keller

Indexed on: 01 Nov '02Published on: 01 Nov '02Published in: Monatsschrift Kinderheilkunde : Organ der Deutschen Gesellschaft fur Kinderheilkunde



Abstract

Das Münchhausen-by-proxy-Syndrom (MbpS) ist eine Form der Kindesmisshandlung, die darauf beruht, dass eine nahe stehende Person (in der Regel die Mutter) bei einem Kind Anzeichen einer Krankheit vortäuscht oder aktiv erzeugt, um es wiederholt zur medizinischen Abklärung vorzustellen. Ärzte werden so verleitet, nicht indizierte, multiple, oft invasive Eingriffe vorzunehmen. Der Beitrag stellt folgende 3 Aspekte in den Vordergrund: 1. das Spektrum charakteristischer Warnhinweise für den Verdacht auf ein MbpS sowie Kriterien zur Abgrenzung anderer Formen eines zwar exzessiven, aber grundsätzlich nicht misshandelnden medizinischen Inanspruchnahmeverhaltens; 2. die kurz- und langfristigen, physischen und psychischen Traumatisierungsfolgen dieser Form von Kindesmisshandlung und deren psychopathologische Wirkmechanismen; 3. praxisorientierte Strategien der Identifikation, der Abklärung und des Managements in Ambulanz und Klinik im Zusammenwirken mit psychiatrisch-psychologischen Kollegen sowie dem Familiengericht und der Jugendhilfe.