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Management und Kontrolle einer Influenzapandemie Konzeptionelle Überlegungen für einen deutschen Influenzapandemieplan

Research paper by R. Fock, H. Bergmann, H. Bußmann, G. Fell, E.-J. Finke, U. Koch, M. Niedrig, M. Peters, D. Scholz, A. Wirtz

Indexed on: 01 Oct '01Published on: 01 Oct '01Published in: Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz



Abstract

Mit einem erneuten pandemischen Auftreten der Influenza muss jederzeit gerechnet werden. Daher hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) alle Staaten aufgerufen, entsprechende planerische Vorbereitungen zu treffen. Ein Influenzapandemieplan für Deutschland ist überfällig. Den größtmöglichen Einfluss auf den Verlauf einer Pandemie haben die frühe Identifizierung des neuen Subtyps, die Entwicklung eines subtypspezifischen Impfstoffes und dessen ausreichende Verfügbarkeit, die Verfügbarkeit ausreichender Mengen von antiviralen Wirkstoffen und die richtige Auswahl der für eine Schutzimpfung bzw. prophylaktische antivirale Behandlung in Frage kommenden Bevölkerungsgruppen. Bei der im Pandemiefall zwangsläufig eintretenden Impfstoff- und Wirkstoffknappheit werden Entscheidungen hinsichtlich prioritär zu impfender bzw. prophylaktisch und/oder therapeutisch zu behandelnder Teilpopulationen unumgänglich. Klärungsbedarf besteht auch hinsichtlich der Verteilungsstrukturen für Impfstoffe und Virostatika, der Sicherung der (intensiv)medizinischen Krankenversorgung, des Krankentransportes, der Kostenübernahme und der würdigen Bestattung der Verstorbenen. Es sollte jetzt entschieden werden, ob für den Pandemiefall mit den Herstellern eine garantierte Lieferung entsprechender Anteile an den von ihnen produzierten Impfstoffdosen vereinbart werden kann. Ebenso müssen Absprachen hinsichtlich des Anlegens staatlicher Vorräte zur Sicherung des nationalen Mindestbedarfs an antiviralen Wirkstoffen und Mitteln zur symptomatischen Behandlung getroffen werden. Fragen wie die Intensivierung von Surveillance und Forschung, die Entwicklung neuer Impfstoffe bzw. neuer Methoden der Impfstoffproduktion, die Zulassung von neuen Impfstoffen im Pandemiefall sowie die Bildung einer nationalen Expertenkommission können und müssen bereits in der interpandemischen Phase beantwortet werden. Auch die Effektivität antiepidemischer Maßnahmen wie z. B. Einreisekontrollen und das Schließen von Schulen muss vor einer Pandemie geklärt bzw. ausdiskutiert sein.