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Kontaktallergene im aktuellen Zeitverlauf

Research paper by Axel Schnuch, Johannes Geier, Holger Lessmann, Wolfgang Uter, Jochen Brasch, Peter J. Frosch

Indexed on: 07 Jun '16Published on: 07 Jun '16Published in: Allergo Journal : interdisziplinare Zeitschrift fur Allergologie und Umweltmedizin : Organ der Deutschen Gesellschaft fur Allergie- und Immunitatsforschung



Abstract

Das allergische Kontaktekzem ist eine häufig auftretende Krankheit (Jahresprävalenz 7%). Fur präventive Interventionen (z. B. Verbot einer allergenen Substanz) ist es erforderlich, die bei der Diagnostik (Epikutantest) häufigen oder zunehmend häufiger werdenden Allergene zu kennen.Es wurden die von 36 Partnerkliniken des IVDK (www.ivdk.org) in den Jahren 1995 bis 2001 erfassten Daten ausgewertet (n = 67.322; Frauen: 42.755, Manner: 24.567). Stratifiziert für zwei Altersklassen (Lebensalter [LA] ≥ 40 und LA < 40 Jahre) des Gesamtkollektivs wurden für die Frauen und Männer die Sensibilisierungsquoten ermittelt. In die Darstellung wurden die nach ihrer Reaktionshäufigkeit (Reaktion bei % der Getesteten) geordneten ersten 30 Allergene aufgenommen.Wichtigste Allergene sind im Auswertungszeitraum Nickel (zwischen 32,5 % [95%-Konfidenzintervall (KI): 31,7–33,2%] bei den Frauen < 40 Jahre und 4,6% [95%-KI: 4,2–4,9%] bei den Männern ≥ 40 Jahre) und der Duftstoff-Mix (zwischen 14,4% [95%-KI: 14,0–14,9%] bei den Frauen ≥ 40 Jahre und 6,2% [95%-KI: 5,7–6,8%] bei den Männern < 40 Jahre). Im Zeitvergleich wurde bei den Frauen mit LA < 40 Jahre ein signifikanter Rückgang der Nickelsensibilisierung festgestellt. Zu einer Zunahme der Sensibilisierungen kam es bis zum Jahre 1999 bei den Duftstoffen, beim Terpentinöl und bei dem Konservierungsstoff Methyldibromoglutaronitril (MDBGN). Seit 1999 ist der Trend bei Duftstoffen und Terpentinöl rückläufig, bei MDBGN eher stabil auf hohem Niveau.Der Röckgang der Nickelsensibilisierung ist wahrscheinlich auf die behördlich verordnete Begrenzung der Nickelfreisetzung aus Modeschmuck zuröckzuföhren. Der Anstieg der Duftstoff- und Terpentinölallergie lässt sich mit dem steigenden Einsatz bzw. Konsum von Duftstoffen und („alternativen“) ätherischen Ölen erklären. Zwischenzeitlich wurde die empfohlene Konzentration eines wichtigen allergenen Duftstoffes gesenkt, und der Verkauf von ätherischen Ölen ist rückläufig, womit der Rückgang der Allergien plausibel wird. Gleichwohl bleibt die Reaktionshäufigkeit auf diese Allergene, wie auch die auf MDBGN, so hoch, dass weitere präventive Anstrengungen erforderlich sind.