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Komplexverletzung des Ellbogengelenks

Research paper by G. Regel, A. Seekamp, M. Blauth, R. Klemme, K. Kuhn, H. Tscherne

Indexed on: 01 Feb '00Published on: 01 Feb '00Published in: Trauma und Berufskrankheit



Abstract

ZusammenfassungDas komplexe Gelenktrauma ist definiert als Fraktur bzw. Luxation eines Gelenks mit ¶begleitendem schweren Weichteilschaden ¶(> zweitgradig) und/oder Serienverletzung und/oder Gefäß- oder Nervenverletzung. Insbesondere beim Ellbogengelenk führt dies häufig zu einer schwerwiegenden und manchmal dauernden Beeinträchtigung der oberen Extremität. Es ist daher von besonderer Bedeutung, ein standardisiertes Behandlungskonzept zu beachten. Eine Analyse unseres Patientenkollektivs zeigte bei insgesamt 773 Frakturen des Ellbogengelenks im Zeitraum von 1981–1991 224 Komplexverletzungen (29%), davon 68% bei polytraumatisierten Patienten. Distaler Humerus und proximaler Unterarm waren annähernd gleichermaßen beteiligt. Ein Sonderfall stellt der Floating elbow mit 6% dar. Die Hälfte der Patienten hatte einen schweren Weichteilschaden, 82% davon offen. Neben einem Kompartmentsyndrom (23,8%) sahen wir in 63,5% der Fälle eine Nerven- und in 25,4% eine Gefäßverletzung. Bei der primären operativen Therapie ist möglichst eine definitive Versorgung aller Verletzungen der oberen Extremität anzustreben. Eine stabile Osteosynthese ermöglicht die rasche Mobilisierung, eine Transfixation des Gelenks ist nur in Ausnahmefällen gerechtfertigt. Im Bereich des distalen Humerus haben sich, wie am proximalen Unterarm, die Prinzipien der AO bewährt. Für eine adäquate Rekonstruktion des Gelenks sind häufig erweiterte operative Zugänge angezeigt. Insbesondere bei der Versorgung der proximalen Ulna haben sich indirekte Repositionstechniken etabliert. Radiusköpfchen und Coronoid stellen wichtige dynamische Stabilisatoren dar. Bei der Weichteilversorgung sind meist nur lokal rekonstruktive Maßnahmen erforderlich. Die Indikation zur Kompartmentspaltung des Unterarms sollte bei diesen Verletzungen großzügig gestellt werden. Die Diagnose und Therapie einer begleitenden Gefäßverletzung sollten aufgrund der sonst resultierenden prolongierten Ischämiezeit rasch erfolgen. Bei Verzögerung ist ein intraluminaler Shunt indiziert. Bei den Nervenverletzungen ist eine initiale operative Versorgung nur im Einzelfall (bei scharfer Durchtrennung) angezeigt, ansonsten erfolgt eine sekundäre Versorgung im Intervall nach 3 Monaten. Das Rehabilitationsergebnis wird durch die Art der initialen Behandlung stark beeinflußt. Nur bei rascher Mobilisierung und intensiver krankengymnastischer Anleitung kann bei diesen schweren Verletzungen ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt werden. Eine geplante Arthrolyse spätestens nach 6 Monaten, ggf. mit Teilimplantatentfernung, kann dieses Ergebnis noch deutlich verbessern.