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Klinische Beobachtungen bei Behandlung mit Isonicotinsäurehydrazid (Neoteben)

Research paper by Paul Weicksel

Indexed on: 01 Nov '53Published on: 01 Nov '53Published in: Lung



Abstract

Bei vorsichtiger Bewertung der bisherigen klinischen Beobachtungen unter Neotebenmedikation läßt sich sagen, daß bereits bei einer Dosis von 5 mg Neoteben je Kilogramm Körpergewicht täglich eine günstige Beeinflussung der tuberkulösen Lungenprozesse gesehen wird. Wird die Behandlung länger als ein Vierteljahr durchgeführt, so scheint sich allmählich die Wirkung des Medikamentes zu erschöpfen, so daß besonders frische, exsudative Prozesse bei denen unter Neoteben in verhältnismäßig kurzer Zeit eine Besserung eintritt, für diese Behandlung geeignet sind. Dagegen ist bei älteren cirrhotisch kavernösen Lungentuberkulosen die Beeinflussung durch Neoteben nicht überzeugend.Eine Dosierung von 10 mg/kg INH scheint nach unseren Untersuchungen zu hoch, da die chronische Toxicität des Mittels noch nicht genügend geprüft ist. Wir sahen bei der eben genannten Dosis vermehrte Kreatinausscheidung im Urin der behandelten Tuberkulosekranken und außerdem konnten wir eine Senkung der Blutzuckerwerte bei Dextrosebelastung feststellen. In einzelnen Fällen beobachteten wir das Auftreten eines Ikterus unter INH-Behandlung (10 mg/kg), den wir als toxische Leberschädigung auffassen möchten. Es handelt sich hierbei um tuberkulöse Diabetiker, bei denen die glykogenverarmte Leber scheinbar häufiger zu manifesten Schäden durch Neoteben neigt. Auch solche Personen, die früher eine Hepatitis durchgemacht haben, zeigen unter INH eine Neigung zum Ikterus, wie wir unter Neotebenbelastung bei Gesunden sehen konnten.Nach unseren Untersuchungen und ebenfalls nach den Beobachtungen vonKelsch besteht die Wahrscheinlichkeit, daß INH in den Zuckerstoffwechsel eingreift und die Phosphorylierungsprozesse stört.