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Klinik und Entstehung des „Eckzahnhochstandes“

Research paper by W. Beseda

Indexed on: 01 Jan '33Published on: 01 Jan '33Published in: Journal of Orofacial Orthopedics / Fortschritte der Kieferorthopädie



Abstract

1. Nach eingehender Prüfung aller angeschuldigten Ursachen, die das Krankheitsbild „Eckzahnhochstand“ bedingen sollen, sei als erstes festgestellt, daß es sich hierbei keineswegs um ein selbständiges, streng umrissenes Krankheitsbild handelt. Untersucht wurden 151 Fälle der Bonner orthodontischen Sammlung, die keine abnorme Verlagerung des Eckzahnes aufwiesen, aus der auf eine primäre Schuld der Keimlage geschlossen werden könnte.durch ausschließlichen Distalstand der Zähne vor der Lücke: Verschiebung der Mittellinie (54 Fälle, 35,8%),durchausschließliche Vorwanderung der Zähne hinter der Lücke, eventuell durch mesiodistale Drehung oder mesiale Kippung der Prämolaren (32 Fälle, 21,2%),durch einen Distalstand der Zähne vor der Lücke und Vorwanderung der Zähne hinter der Lücke in verschiedenem Anteil (65 Fälle. 43%).2. Diese morphologischen Merkmale des Krankheitsbildes sind mit Hilfe des Symmetrievergleichs und des Okklusionsvergleichs immer feststellbar, wenn wenigstens eine Kieferseite im Ober- oder Unterkiefer als normal angenommen werden kann. Bei dem einseitigen Eckzahnhochstand mit Einengung der Lücke durch die vorgewanderten hinteren Zähne läßt sich durch den Symmetrievergleich unschwer der Sachverhalt klarlegen und gegenüber dem einseitigen Distalbiß abgrenzen; bei Fällen von beiderseitigem Eckzahnhochstand mit Mesialwanderung der hinteren Zähne ist diese Klärung und Abgrenzung gegenüber dem echten Distalbiß zuweilen recht schwierig. Die Größe der gleichzeitig vorliegenden Kieferkompression erlaubt oft Wahrscheinlichkeitsschlüsse, ebenso wie die Analyse der Profilphotographie. Nicht selten enthüllt eine ausgesprochene Vorkippung der Prämolaren und Molaren ihre Mesialwanderung und die Natur der vorliegenden Abweichung.3. Außerordentlich häufig (etwa 50%) ist mit dem Eckzahnhochstand ein Raummangel in einer anderen Kieferhälfte verbunden, der sich entweder in einem Außenstand des Eckzahnes oder in einem palatinalen Durchbruch des zweiten Prämolaren äußert. ..Fälle mit palatinaler Verdrängung eines Prämolaren oder mit Eckzahnhochstand sind verschiedene Bilder des gleichen Krankheitsablaufes der Folgen vorzeitigen Zahnverlustes, die im Kampf um den Platz entstanden sind“ (Korkhaus).frühzeitiger Verlust des Milcheckzahnes infolge Karies oder vorzeitiger Resorption durch den bleibenden zweiten Schneidezahn bei Ausbleiben der physiologischen Lückenbildung,frühzeitiger Verlust des ersten oder zweiten Milchmolaren infolge kariösen Zerfalls, Extraktion oder vorzeitiger Resorption,Einengung des Platzes der Seitenzähne durch die mesiale Durchbruchstendenz der ersten und zweiten Molaren und den distalen Durchbruchsdruck der Schneidezähne (Verkleinerung des Zahnbogenumfanges),Wachstumshemmung der Kiefer und Zahnbögen. Kieferkompression,Raummangel bei Persistenz des zweiten Milchmolaren infolge Nichtanlage des Prämolaren.