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Intraoperative Wärmekonservierung Viel Lärm um heiße Luft?

Research paper by R. Scherer

Indexed on: 01 Feb '97Published on: 01 Feb '97Published in: Der Anaesthesist



Abstract

Anästhesie und Temperaturregulation: Thermoregulatorische Vasokonstriktion und Kältezittern treten bei anästhesierten Patienten erst bei niedrigeren Temperaturen auf als sonst üblich. Nach Einleitung einer Allgemeinanästhesie oder rückenmarknahen Regionalanästhesie kommt es zunächst zu einem Abfall der Körperkerntemperatur durch Wärmeumverteilung aus dem Körperkern in die vasodilatierte Peripherie. Unter Allgemeinanästhesie nimmt nach etwa 1 h die Bedeutung der echten Wärmeverluste deutlich zu. Mit Wiedereinsetzen der Thermoregulation bei deutlich niedrigerer Kerntemperatur kann durch die Vasokonstriktion ein weiterer Abfall der Kerntemperatur verzögert werden. Unter Spinal- oder Epiduralanästhesie bleibt die Thermoregulation in den nicht blockierten Körperpartien erhalten. Dadurch sind bei diesen Anästhesieverfahren die echten Wärmeverluste deutlich geringer ausgeprägt als unter Allgemeinanästhesie.Auswirkungen einer perioperativen Hypothermie: Durch eine unbeabsichtigte Hypothermie wird der Metabolismus von Anästhetika und Muskelrelaxanzien verzögert, die Beeinträchtigung der Thrombozytenfunktion führt zu vermehrten Blutverlusten, die Hemmung der polymorphkernigen neutrophilen Granulozyten ist die wahrscheinliche Ursache für eine erhöhte Infektionsrate der hypothermen Patienten. Eine Hypothermie in der postoperativen Phase ist mit einer deutlichen Kreislaufbelastung verbunden, erhöhte Noradrenalinspiegel sind die Ursache von Myokardischämien und Rhythmusstörungen. Diese Störungen und Beeinträchtigungen haben Auswirkungen zum Teil bis weit in die postoperative Phase, so daß eine Verhinderung der perioperativen Hypothermie – wo immer möglich – geboten erscheint.Wärmeerhaltung. Die Applikation von Warmluft intra- und postoperativ gilt heute als die effektivste und sicherste Methode, eine Hypothermie zu verhindern.