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ICD-Therapie: Primär- und Sekundärprävention

Research paper by Tichelbäcker, Tobias, Bergau, Leonard, Zabel, Markus

Indexed on: 27 Sep '16Published on: 20 Sep '16Published in: Der Klinikarzt



Abstract

In der Sekundärprophylaxe des plötzlichen Herztodes (nach anhaltenden Kammertachykardien oder überlebter Reanimation) ist die Indikation zur ICD-Therapie unbestritten, weil diese Patienten ein hohes Rezidivrisiko aufweisen. 2 große multizentrische Studien (SCD-HeFT und MADIT-II, publiziert 2002 bzw. 2005) gelten immer noch als Hauptevidenz für die primärprophylaktische ICD-Therapie. In diesen Studien konnte für Patienten mit eingeschränkter linksventrikulärer Pumpfunktion – bei ischämischer oder nicht-ischämischer Genese – ein Überlebensvorteil von 23–31 % gezeigt werden. Basierend hierauf wurde die primärprophylaktische Indikation in die Leitlinien aufgenommen und hat sich in der klinischen Routine rasch verbreitet. Derzeit werden jährlich ca. 30 000 ICD in Deutschland, in Europa weit mehr als 100 000 implantiert. Auffällig sind zum Teil erhebliche Unterschiede der Implantationsraten zwischen den europäischen Ländern. Seit einiger Zeit wurde die Frage aufgeworfen, ob die mehr als 10 Jahre alten Studienergebnisse in der Primärprophylaxe unverändert gültig sind. Die ganz aktuelle Publikation der randomisierten DANISH-ICD-Studie bei Patienten mit nicht-ischämischer Kardiomyopathie hat gezeigt, dass sich das Auskommen von Herzinsuffizienz-Patienten durch die vielen Therapie-Innovationen deutlich verbessert hat. Während plötzliche Herztodesfälle in der ICD-Gruppe verringert werden konnten, war das Gesamt-Überleben statistisch gleich. In einer nicht prä-spezifizierten Subgruppen-Analyse konnte gezeigt werden, dass jüngere Patienten durch den ICD einen signifikanten Überlebensvorteil hatten. Die Konsequenzen der DANISH-Studie für die ICD-Guidelines sind noch nicht ganz klar, jedoch wird bereits gefordert, dass primärprophylaktische ICD-Indikationen individualisiert werden müssen, indem weitere Risikoparameter herangezogen werden. Derzeit laufen große Beobachtungsstudien wie die EU-CERT-ICD-Studie und die niederländische DO-IT-Studie.