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Hodgkin-Lymphome bei Kindern und Jugendlichen

Research paper by J. Ritter

Indexed on: 06 Sep '08Published on: 06 Sep '08Published in: best practice onkologie



Abstract

Maligne Lymphome sind nach den akuten Leukämien und den Tumoren des Zentralnervensystems die dritthäufigsten malignen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Mit einer intensiven Polychemotherapie, der bei den Hodgkin-Lymphomen meist eine lokale Radiotherapie folgt, können heute über 90% der Kinder und Jugendlichen mit Hodgkin-Lymphomen und über 80% derjenigen mit Non-Hodgkin-Lymphomen mit einer dauerhaften Heilung rechnen. Die im Vergleich zu anderen onkologischen Erkrankungen besonders große Zahl langzeitüberlebender Kinder und Jugendlicher rückt aber auch insbesondere beim Hodgkin-Lymphom die negativen Therapiefolgen stärker in den Blickpunkt. Die derzeitige, für jedes Stadium risikoangepasste Therapie muss daher unter dem Motto stehen: Soviel Therapie wie nötig, aber so wenig Therapie wie möglich.Die Therapie von Kindern und Jugendlichen mit HL war in den 70er- und 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts insbesondere auf das Erzielen einer möglichst hohen Heilungsrate ausgerichtet. Diese konnte bereits in den ersten multimodalen Therapiestudien erreicht werden. Die weiteren Nachbeobachtungen der geheilten ehemaligen HL-Patienten haben dann aber sehr deutlich gezeigt, dass eine Vielzahl therapiebedingter Spätfolgen beobachtet werden mussten. Die derzeitige Therapie von Kindern und Jugendlichen mit HL ist daher auf eine genaue Balance zwischen Heilungsraten und möglichst geringen Spätfolgen der Therapie ausgerichtet. Hierzu ist ein initial durchgeführtes, exaktes Staging erforderlich, um mögliche Strahlenfelder so gering wie möglich zu halten. Bei der Polychemotherapie sollte zukünftig die am meisten gonadotoxische Substanz Procarbazin gleichwertig ersetzt werden.Dies gelang in den GPOH-Studien leider nicht mit Methotrexat, wird aber möglicherweise durch Dacarbazin zu erreichen sein. Weiterhin soll, durch eine exakte Beobachtung des Ansprechens auf die applizierte Polychemotherapie, beispielsweise durch funktionelle Bildgebung in Form des PET in Zusammenhang mit anatomischer Bildgebung (PET-CT), angestrebt werden, Kindern und Jugendlichen, die bereits nach zwei Polychemotherapiezyklen eine komplette Remission erreicht haben, die Bestrahlung zu ersparen. Ziel der heutigen Therapie des HL muss es sein, durch die geringste erforderliche Therapie die höchstmöglichen Heilungschancen zu erreichen.