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Handwurzelentwicklung in den ersten Lebensjahren und Rachitis

Research paper by Erich Graser

Indexed on: 01 Jun '38Published on: 01 Jun '38Published in: European Journal of Pediatrics



Abstract

Ausgehend von der Tatsache, daß die für das Os triquetrum in der bisherigen Literaturangegebenen Ossifikationstermine eine abnorm große Variationsbreite aufweisen, wird versucht durch Auswertung der an der Frankfurter Universitäts-Kinderklinik in den Jahren 1927–1937 hergestellten Handwurzelaufnahmen eine Entscheidung für einen der angegebenen Ossifikationstermine zu finden. Eine Auszählung der bei 257 normalen Aufnahmen vorhandenen Kerne zeigt, daß der Ossifikationstermin für das Triquetrum Ende des 3. Lebensjahres, wie vonSiegert undPryor angegeben, liegen muß. Von der Auszählung ausgeschlossen wurden 77 Röntgenaufnahmen, die schon im 1. und 2. Lebensjahr ein Ossifikationszentrum des Triquetrums aufwiesen. Das Wesen und die Ursachen dieser Ossifikationsbeschleunigung werden unter Zuziehung der Krankengeschichten durch Kernflächenmessungen geklärt. Es zeigt sich, daß bei florider Rachitis im Vergleich mit einer Normalkurve das Wachstum der Handwurzelkerne abnimmt oder ganz aufhört,bei heilender Rachitis dagegen eine Steigerung um das Mehrfache der durchschnittlichen Monatswerte erfahren kann. Durch diese Wachstumsbeschleunigung wird häufig in wenigen Wochen oder Monaten die Fläche der schon angelegten Handwurzelkerne so gesteigert, daßdas Erscheinen weiterer Knochenkerne (Triquetrum und eventuell Lunatum)zwangsläufig erfolgen muß. Das vorzeitige Auftreten dieser Kerne in der kindlichen HandwurzelBedeutet also nicht eine Beschleunigung des Startes, sondern des Ablaufes der Ossifikation; es kann mithin nicht als überstürzte Differenzierung angesprochen werden. Hinweise auf die Bedeutung der Konstitution und Therapie werden gegeben.Mit Ausnahme der kongenitalen Lues, bei der die Krankheit auch das Knochensystem direkt befällt und die ebenso wie die Rachitis völlig geheilt werden kann, wird bei allen anderen Erkrankungen (exsudativen Diathese, mongoloide Idiotie, angeborene cerebrale Leiden) die auch hierbei beschriebene Beschleunigung der Differenzierung abgelehnt; die allgemeine Beschleunigung der Ossifikation ist als Folge einer neben der Grunderkrankung durchgemachten Rachitis zu betrachten.Da bei 77 Röntgenaufnahmen, die infolge allgemeiner Wachstumsbeschleunigung ein vorzeitig aufgetretenes Ossifikationszentrum für das Triquetrum aufwiesen, diese Beschleunigung als Wirkung eines pathologischen Vorganges nachgewiesen wurde, ist das Ergebnis dieser Untersuchungen als sichere Stütze für den vonSiegert angegebenen Ossifikationstermin des Triquetrums zu werten.