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Geschlechterrolle und Sport

Research paper by E. Darlison

Indexed on: 01 Nov '00Published on: 01 Nov '00Published in: Der Orthopade



Abstract

Die Ungleichheit der Geschlechter in allen Bereichen des Lebens bleibt, trotz der speziellen Bemühungen in den letzten 20 Jahren, sich dieser Situation anzunehmen, ein weltweites Problem. Bei körperlicher Aktivität und im Sport ist die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern in fast allen Ländern besonders deutlich, auch wenn sie graduelle Unterschiede aufweist.Es gibt zwei Hauptgründe, warum die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern bei körperlicher Aktivität und im Sport extremer ist als in vielen anderen Bereichen des sozialen Lebens. Zum einen besteht eine enge Verbindung zwischen Eigenschaften, die für den Sport erforderlich sind, mit jenen, die eng mit traditionellen Konzepten stereotyper, männlicher Vorherrschaft verbunden sind, und zum anderen ein mangelndes Verständnis für den Unterschied zwischen Geschlecht und Geschlechtsrolle. Im Sport und bei körperlicher Aktivität wurden körperliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen verwechselt mit gesellschaftlich konstruierten Unterschieden, d. h. körperliche Unterschiede wurden verwechselt mit Unterschieden in den Geschlechtsrollen, und diese Verwechslung wurde dazu benutzt, um eine geringere und begrenztere Teilnahme von Frauen auf allen Ebenen zu rechtfertigen.Um Gleichheit zwischen Frauen und Männern bei körperlicher Aktivität und im Sport zu erreichen, ist es unverzichtbar, die Geschlechtsrollen zu identifiziert und sie als gesellschaftlich konstruiert zu begreifen, als ein im Fluss befindliches Konzept, das lediglich ein Produkt des Verhältnisses zwischen Frauen und Männern ist. Die Tatsache, dass Frauen Kinder gebären oder prinzipiell körperlich weniger kräftig sind als Männer reicht nicht aus, um zu rechtfertigen, warum es für Frauen nicht als angemessen erachtet wird, an bestimmten körperlichen Aktivitäten teilzunehmen oder warum ihre Teilnahme weniger wert sein soll als die der Männer.Ein Verständnis der Geschlechtsrolle und der Konstruktion der Geschlechterverhältnisse ist eine wichtige Voraussetzung, um sich der Ungleichheit zwischen Frauen und Männern bei körperlicher Aktivität und im Sport anzunehmen und Taktiken und Programme zu entwickeln, die integrierend und von gleichem Nutzen für beide Geschlechter sind.Während der Nutzen einer Teilnahme an körperlicher Aktivität noch weiter untersucht werden muss, gibt es derzeit genügend verfügbare Informationen, um die gesundheitsbezogenen und gesellschaftlichen Werte einer Teilnahme sowohl für Frauen als auch für Männer zu identifizieren. Was nötig ist, um die Gleichheit zwischen Frauen und Männern bei körperlicher Aktivität und im Sport sicher zu stellen, ist die Übernahme eines geschlechtsrollenbezogenen Zugangs sowohl in der Politik als auch in der Programmplanung durch die Regierung, die zivile Gesellschaft und besonders durch die “Experten” auf diesem Gebiet, welche die Macht haben, Entscheidungsträger auf allen Ebenen zu beraten und zu beeinflussen.