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Gerinnungsmanagement bei Kindern mit mechanischer Kreislaufunterstützung

Research paper by T. Drews, F. Küpper, B. Stiller, M. Hübler, Y. Weng, F. Berger, R. Hetzer

Indexed on: 01 Oct '07Published on: 01 Oct '07Published in: Zeitschrift für Herz-,Thorax- und Gefäßchirurgie



Abstract

Der wachsende Einsatz von Herzunterstützungssystemen bei Kindern erfordert eine sichere Antikoagulationstherapie. Wir untersuchten 72 Kinder mit einem Herzunterstützungssystem vom Typ Berlin Heart Excor (Altersdurchschnitt der Kinder 7 1/2 Jahre, Minimalalter 2 Tage, Maximalalter 17 Jahre).Es wurden die Daten von 72 Kindern ausgewertet. Die Gruppe A bestand aus 40 Kindern, bei denen von 1990 bis Oktober 2000 ein Kunstherzsystem implantiert wurde. Die Blutgerinnungstherapie wurde bei ihnen ausschließlich mit Heparin (unter Kontrolle der ACT) durchgeführt. Es kamen keine oralen Antikoagulantien zum Einsatz. Der Anschluss des Herzunterstützungsystems erfolgte bei diesen Patienten über den linken Vorhof des Herzens.Die Gruppe B bestand aus 32 Kindern. Bei ihnen wurde ab November 2000 ein mechanisches Kreislaufunterstützungssystem implantiert. Die Blutgerinnung wurde bei ihnen zusätzlich mit Thrombozytenaggregationshemmern eingestellt. Zudem wurde die Dosierung der Heparintherapie anhand der Thrombelastographie und die Gabe der Thrombozytenaggregationshemmer mit Thrombozytenaggregationstests festgelegt. Der Anschluss der Herzunterstützungssysteme erfolgte über den Apex des linken Ventrikels. Die Gruppen A und B waren hinsichtlich der demographischen und krankheitsspezifischen Daten vergleichbar.In der Gruppe A gab es bei 19 Kindern (48%) Blutungskomplikationen und bei 14 Kindern (35%) Rethorakotomien. Hirnblutungen traten bei 2 Patienten auf (5%). In der Gruppe B gab es 12 Blutungskomplikationen (38%), 8 Rethorakotomien (25%) und 1 Hirnblutung (3%).Thrombembolische Komplikationen zeigten sich bei 9 Patienten (23%) der Gruppe A. Schlaganfälle kamen bei 6 Kindern (15%) der Gruppe A vor. In Gruppe B hatten 7 Kinder (22%) embolische Komplikationen; davon hatten 2 Kinder Schlaganfälle (6%). Die mittlere Unterstützungszeit betrug in der Gruppe A 19 Tage (Zeitraum 0–111 Tage) mit einer langfristigen Überlebensrate von 33% und in Gruppe B 57 Tage (Zeitraum 1–420 Tage) mit einer langfristigen Überlebensrate von 78%. Der Unterschied zwischen den Gruppen hinsichtlich der langfristigen Überlebensrate war signifikant (p=0,003).Komplikationen durch Embolien und Blutungen wurden in Gruppe A und Gruppe B beobachtet. Jedoch war die Komplikationsrate mit dem modernen Antikoagulationsschema (Gruppe B) trotz dreifach längerer Einsatzzeit des Herzunterstützungssystem signifikant niedriger.Die Aktivierung des Gerinnungssystems und die Blutgerinnselbildung durch das Herzunterstützungssystem bleiben trotz Einsatz eines modernen medikamentösen Schemas zur Antikoagulation eine Hauptursache für Komplikationen. Die Antikoagulationstherapie bedarf weiterer Verbesserung.