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Fluoreszencmikroskopische Differentialzählung der Leukocyten beim ACTH-Test

Research paper by Wilhelm Kosenow, Erika Schellong

Indexed on: 01 Jan '58Published on: 01 Jan '58Published in: Klinische Wochenschrift



Abstract

Mit Hilfe derfluorescenzmikroskopischen Acridinorange-Methode gelingt es, in der Zählkammer nicht nur die Gesamtmenge der Leukocyten zu bestimmen, sondern gleichzeitig auch eine Differenzierung inMononucleäre undGranulocyten durchzuführen. Da diese beiden Zellgruppen nachweislich das Verhalten der Lymphocyten bzw. Neutrophilen repräsentieren, ist es auf diesem Wege möglich, die ACTH-bedingten Verschiebungen auch der nichteosinophilen Leukocyten mittels zeitsparender Kammerauswertungen eingehend zu verfolgen. Bei insgesamt 31 Tests mit 4- bzw. 10stündiger Beobachtungszeit und weiteren 20 Kontrolluntersuchungen ergaben sich gesetzmäßige Abweichungen vom Ausgangswert, deren Bild noch durch eine gleichzeitige Bestimmung derEosinophilen im Hellfeld ergänzt und vervollständigt wurde.Besonders auffallend war im Rahmen dieser Untersuchungen eineausgeprägte Vermehrung der Granulocyten (bzw. der nichteosinophilen Granulocyten), die teilweise mehr als 200% über dem Ausgangsniveau lag. Demgegenüber zeigten dieEosinophilen und dieMononucleären in sämtlichen Tests eine konstanteVerminderung, die allerdings nicht in allen Punkten gleichsinnig verlief und bei den Mononucleären eher als bei den Eosinophilen wieder in einen Anstieg — häufig über die Anfangszahl hinaus — überging. Beachtenswert und bei den einzelnen Zellarten mehr oder weniger unterschiedlich verhielten sich auch das Ausmaß und die zeitliche Lage dermaximalen Abweichungen vom Ausgangswert. Dabei zeigte sich unter anderem, daß die Mononucleären- bzw. Lymphocytenreaktion zwar ebenfalls sehr eindeutig und charakteristisch verläuft, daß sie aber in der Regel auch bei Kindern jenseits des 2. Lebensjahres — jedenfalls nach unseren Erfahrungen — keineswegs stärker als die Eosinopenie ausgeprägt ist.Eindrucksvolle Ergebnisse erzielten wir ferner mit der Erprobung des Verhältniswertes „Mononucleäre: Granulocyten“, der sich allein aus den fluorescenzmikroskopisch ermittelten Größen durch einfache Division errechnen läßt und auf ACTH in ähnlicher Weise wie die Mononucleären- und Eosinophilen-Zahlen mit einem charakteristischen Abfall reagiert. Das Ausmaß dieser Reaktion ist jedoch stärker als die Mononucleopenie und nur mit dem Verlauf der Eosinopenie vergleichbar. Wir glauben daher, daß die fluorescenzmikroskopische Kammerzählung und -differenzierung der Leukocyten eine wertvolle Bereicherung der diagnostischen Möglichkeiten im Rahmen des ACTH-Tests bzw. der leukocytären Stress-Reaktion darstellt.