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Erfahrungen mit Natriumselenit in der Behandlung von akuten und späten Nebenwirkungen der Radiochemotherapie von Kopf-Hals-Karzinomen

Research paper by Jens Büntzel, Arbeitsgruppe Zytoprotektion im AK Supportive Maßnahmen in der Onkologie im Rahmen der MASCC under der DKG

Indexed on: 01 Oct '99Published on: 01 Oct '99Published in: Medizinische Klinik (Munich, Germany : 1983)



Abstract

□Hintergrund: In den letzten Jahren hat die Prävention von Toxizitäten als supportives Grundkonzept an Bedeutung im klinischen Alltag gewonnen. Zwei prinzipielle Wege sind dabei in der Zytoprotektion des Normalgewebes zu unterscheiden: Neben der zusätzlichen Applikation externer freier Thiole (z.B. bei Amifostin) können durch die Gabe von Natriumselenit interne Detoxikationsmechanismen (z.B. die Glutathionperoxidase) aktiviert werden.□Eigene Erfahrungen: In der vorliegenden Arbeit sollen die bisherigen eigenen Erfahrungen mit beiden Zytoprotektionsansätzen im Rahmen einer Radiochemotherapie (2 Gy ED, 60 Gy GD, Carboplatin à 70 mg/m2 an den Tagen 1 bis 5 und 21 bis 25 der Bestrahlung) von fortgeschrittenen Kopf-Hals-Karzinomen dargestellt werden. Im Rahmen einer kontrollierten Phase-II-Untersuchung wurde eine deutliche Reduktion der hämatologischen (Anämie, Leukozytopenie, Thrombozytopenie) und nicht-hämatologischen Nebenwirkungen (Mukositis, Xerostomie, Dysphagie, Geschmacksverlust) der Radiochemotherapie durch die Gabe von 500 mg Amifostin umittelbar vor jeder Carboplatininfusion beobachtet. Nach zwölf Monaten war bei gleichen Überlebenszeiten eine Reduktion der ernsthaften Spätnebenwirkungen (Grad-3/4-Xerostomie) auf 14% gegenüber 57% in der Kontrollgruppe festzuhalten. Im zweiten Abschnitt des Manuskriptes berichten wir über unsere Beobachtungen zur Nutzung von Natriumselenit in der Therapie des Paravasates (zehn Patienten) bzw. des interstitiellen lymphatischen Ödems (20 Patienten). In der Akutsituation (Paravasate) profitierten 9/10 Patienten von einer sofortigen Selenapplikation. Auch im Rahmen der Behandlung der Spättoxizitäten (Lymphödem) zeigten 12/20 Patienten eine Reduktion der Symptomatik. Wichtig war dies insbesondere für 9/15 Patienten mit einem Ödem im Bereich der Supraglottis, die ohne Tracheotomie konservativ behandelt werden konnten.□Schlußfolgerung: Die vorliegenden Ergebnisse von Pilotuntersuchungen und Einzelbeobachtungen rechtfertigen weitere klinische Studien (Phase I/II) zur Evaluierung der geeigneten Substanzen und möglicher Interaktionen zwischen den Zytoprotektiva. Die fortgeschrittenen Kopf-Hals-Karzinome erscheinen nach bisherigen Daten eine geeignete Zielgruppe für derartige Untersuchungen zu sein.