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Emergence Delir - Prophylaxe und Therapie

Research paper by Wermelt, Julius Z., Ellerkmann, Richard K.

Indexed on: 13 Aug '16Published on: 31 Jul '16Published in: Anasthesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie : AINS



Abstract

Das Emergence Delirium (ED) ist ein in der Kinderanästhesie bekanntes Phänomen. Problematisch sind trotz fehlender vitaler Gefährdung und i. d. R. kompletter Remission v. a. die Eigen- und Fremdgefährdung sowie die negative Außenwirkung auf Eltern und Beteiligte. Die Symptome des ED bestehen aus Agitation und Delir. Da v. a. bei Kleinkindern viele Gründe für auffälliges Verhalten nach Operationen in Frage kommen (Hunger, Durst, Schmerzen, Übelkeit, Trennung von den Eltern) ist die Diagnosestellung häufig nicht einfach. Die Verwendung entsprechend validierter Scores wie der PAED-Scale, ist dabei hilfreich. Die genaue Genese des ED ist bisher unklar. Neuere Untersuchungen deuten auf eine unterschiedliche Clearance der (volatilen) Anästhetika in verschiedenen Bereichen des Gehirns (Gehör vor Kognition) oder den unterschiedlichen Einfluss der Anästhetika auf verschiedene neuronale Netzwerke.
Im Rahmen einer Metaanalyse wurde der präventive Effekt vieler gängiger Substanzen untersucht. Grundsätzlich reduzieren alle Substanzen die Inzidenz des ED, die auch postoperativ noch eine sedierende und analgetische Wirkung haben. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Aufwachphase die gleiche Aufmerksamkeit wie der Einleitung zukommen sollte und beides schonend und kindgerecht in ruhiger Atmosphäre zu erfolgen hat. Liegen Risikofaktoren vor, ist eine TIVA zu bevorzugen. Zusätzlich kann ein Alpha-2-Agonist verwendet werden. Zur Differenzierung zwischen postoperativen Schmerzen und Delir können altersgerechte, standardisierte Scores für ED und Schmerzen hilfreich sein. Bei milderer Ausprägung kann ein beobachtendes Zuwarten gerechtfertigt sein. Sollte Eigen- oder Fremdgefährdung bestehen, eignen sich kurzwirksame Substanzen, um die Akutsituation zu durchbrechen. Dabei hat sich v. a. Propofol bewährt. Verängstigte Eltern müssen beruhigt und entsprechend aufgeklärt werden. Midazolam hat weder einen präventiven Effekt, noch eignet es sich als Akutmedikament und sollte daher zurückhaltend eingesetzt werden (auch im Rahmen der Prämedikation). Eine effektive Anxiolyse sollte nach Möglichkeit bereits im Vorfeld durch Schulung von Patient und Eltern beginnen, welche die Ablenkung des Kindes und Einbeziehung der Eltern zum Ziel hat. Auch aus diesem Grund ist die Anwesenheit der Eltern bei Einleitung und im Aufwachraum begrüßenswert.