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Die vaskularisierte Fibulatransplantation in der orthopädischen Onkologie

Research paper by C. Kühner, R. Simon, L. Bernd

Indexed on: 01 Sep '01Published on: 01 Sep '01Published in: Der Orthopade



Abstract

Primär maligne Knochentumore können überwiegend extremitätenerhaltend operiert werden. Sofern neben dem dia- und metaphysären Knochen auch gelenkbildende Abschnitte reseziert werden müssen, ist die Endoprothese – in modularer Bauweise – das verbreitetste Rekonstruktionsverfahren. Wird zur Überbrückung avitaler, kortikospongiöser Knochen (Allograft) transplantiert, können auch langstreckige ossäre Defekte unter Erhalt der Extremität belastungsstabil operiert werden. Das Risiko der Pseudarthrosenbildung und Transplantatfraktur ist dabei jedoch als hoch einzustufen. Die Rate dieser eingriffsspezifischen Majorkomplikationen kann durch Verwendung eines vaskularisierten Knochentransplantates deutlich reduziert werden.In der Zeit von 1988 bis 1999 behandelten wir 20 Patienten mit Tumoren der oberen und unteren Extremität, bei denen wir den knöchernen Defekt nach Tumorresektion mittels gefäßgestieltem Fibulatransfer überbrückten. In einer retrospektiven Studie erfassten wir standardisiert Daten zur ossären Integration der Transplantate und dem funktionellen Ergebnis im postoperativen Verlauf. Als Maßstab zur Bewertung der knöchernen Durchbauung diente das Schema des “International Symposium of Limb Salvage” (ISOLS). Das funktionelle Ergebnis wurde nach dem Enneking-Score getrennt nach oberer und unterer Extremität ermittelt.Die Transplantatstabilisierung erfolgte an der oberen Extremität ausschließlich plattenosteosynthetisch, an der unteren Extremität erfolgte in 10 von 12 Fällen die Rekonstruktion durch ein Manteltransplantat, d. h. durch eine Kombination von einem Allograft mit einer gefäßgestielten Fibula. Durchschnittlich konnte ein Funktionalitätsindex von 73% zum Zeitpunkt der jeweils letzten Nachuntersuchung ermittelt werden. Nach 18 Monaten war die radiologische Beurteilung der ossären Integration entsprechend den Kriterien des ISOLS in 75% “sehr gut”, in 11% “gut”, in 6% der Fälle “befriedigend” und in 9% “schlecht”. Wesentliche Komplikationen waren der Transplantatbruch mit einer Häufigkeit von 15% und die Pseudarthrose mit 14,3%.Der vaskularisierte Fibulatranfer ist ein operationstechnisch aufwendiges Verfahren zur Rekonstruktion langstreckiger ossärer Defekte, bietet jedoch den Vorzug einer weitestgehend biologischen Rekonstruktion mit guter Langzeiterwartung und vergleichsweise geringer Komplikationsrate.