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Die präoperative kardiale Risikoabschätzung und Diagnostik Die Sicht des Kardiologen

Research paper by M. Böhm

Indexed on: 01 Oct '97Published on: 01 Oct '97Published in: Der Anaesthesist



Abstract

Die perioperative Risikoabklärung setzt voraus, daß eine sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung bei jedem Patienten durchgeführt wird. Erst dann treten technische Untersuchungen hinzu. Ein EKG ist sinnvoll, um unter Patienten, die über 40 Jahre alt sind, Risikogruppen zu identifizieren. Bei diesen Patienten sollte es deshalb immer durchgeführt werden. Bei jüngeren Patienten kann darauf verzichtet werden. Bei Risikogruppen und Patienten mit Symptomen ist die Indikation der Ergometrie großzügig zu stellen. Eine Röntgenthoraxuntersuchung ist diagnostisch als Routineverfahren nicht wegweisend und kann nur den Dekompensationsgrad bei vorliegender Herzinsuffizienz oder bei Klappenvitien erkennen lassen. Dann ist die Indikation allerdings großzügig zu stellen. Die Echokardiographie stellt ein spezielles kardiologisches Diagnoseverfahren zur Erkennung von Klappenvitien und einer eingeschränkten Pumpfunktion dar. Es ist keine Untersuchung, die in der kardialen Risikoabklärung präoperativ primär indiziert wäre. Medikamentöse Einstellungen können mit dem Langzeit-EKG und dem Langzeit-RR überprüft werden. Die Koronarangiographie sollte nur durchgeführt werden, wenn die üblichen Indikationen erfüllt sind. Außerdem hat sie nur Sinn, wenn auch die Konsequenz einer operativen oder interventionell kardiologischen Revaskularisierung möglich erscheint und der Patient in letztere Verfahren auch einwilligt. Spezielle Verfahren wie die Myokardszintigraphie und die Streßechokardiographie sind kostenaufwendig und dienen der spezielleren Diagnostik der koronaren Herzkrankheit. Sie haben keinen Platz in der Routinediagnostik zur Abschätzung des perioperativen Risikos (Tabelle 19). Wichtig ist, daß in der Zukunft noch viele ungeklärte Fragen zu bearbeiten sind (Tabelle 20). Der Stellenwert einer prophylaktischen Revaskularisierung beim Patienten mit stabiler Angina pectoris sowie einer prophylaktischen medikamentösen Therapie bei beschwerdefreiem Risikopatienten ist unklar. Herkömmliche Studien lassen meist nur Schlüsse auf Gesamtkollektive zu, die entsprechend der üblichen Häufigkeitsverteilung der operativen Patientenklientel Mittelwerte liefern. Hieraus Schlüsse für Subgruppen zu ziehen (alternde Menschen, Frauen) ist schwierig, da sie häufig in den Studien nicht ausreichend repräsentiert sind. Weitere Studien werden zeigen, ob aufwendige diagnostische, therapeutische, aber auch Monitoringverfahren für das Gesundheitssystem tragbar sind und für den Patienten tatsächlich eine größere Sicherheit bedeuten.