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Die konservative Therapie der Streßinkontinenz

Research paper by C. Anthuber, S. Anthuber, C. Hartwig, B. Föst, B. Schüssler

Indexed on: 01 Nov '96Published on: 01 Nov '96Published in: Der Gynakologe



Abstract

Das Interesse der Patientinnen für eine konservative Therapie der Streßinkontinenz hat in den letzten Jahren zugenommen. Hauptursache hierfür sind die heute durchaus akzeptablen Erfolgsraten zwischen 40 und 90 %. Sie sind vergleichbar oder besser als die der im deutschsprachigen Raum immer noch häufigsten Harninkontinenzoperation, der vorderen Plastik. Die heute üblichen Formen konservativer Therapie sind Beckenbodentraining (Muskelübungen, Konustraining, funktionelle elektrische Stimulation), Pessartherapie, Urethrastöpsel und medikamentöse Therapie. Die konservativen Behandlungsmöglichkeiten sollten in jedem Einzelfall genau geprüft werden. Das Beckenbodentraining hat sich als erfolgreiche, kurativ beabsichtigte, kostengünstige jedoch für die Patientin zeitintensive Alternative zur Operation bewährt. Die guten Kurzzeitresultate können jedoch nur bei Langzeittraining aufrechterhalten werden. Der Mangel an speziellen Einrichtungen für die Durchführung eines Beckenbodentrainings ist bundesweit zu gering. Daher geht derzeit die Forderung, das Beckenbodentraining immer als Primärtherapie einzusetzen, an der Realität vorbei. Wichtigste Voraussetzung für den Behandlungserfolg ist eine ausreichende Motivation der Patientin und eine korrekte Indikationsstellung. Echte Kontraindikationen sind selten und abhängig vom Ausgangsbefund und der Art der geplanten Therapie. Bei ausgeprägtem Deszensus oder Prolaps genitalis sollte operiert werden. Pessare dienen als mechanische Prolapsbarriere und tragen durch urethrale oder paraurethrale Kompression zum Kontinenzerhalt bei. Die Entwicklung gewebefreundlicherer und besser handhabbarer Pessare kann deren Akzeptanz möglicherweise wieder steigern. Okklusiv wirkende Harnröhreneinsätze(stöpsel) sind derzeit in Erprobung, die Kurzzeitergebnisse sind vielversprechend, Langzeitresultate liegen noch nicht vor. Die lokale und/oder systemische Östrogentherapie ist in der Menopause ein wichtiger Bestandteil jeder konservativen Therapie. Die Wirkung von α-Sympathomimetika ist umstritten. Ihr isolierter Einsatz ist durch Nebenwirkungen und Kontraindikationen limitiert. In der Kombination mit Östrogenen werden hingegen gute Ergebnisse berichtet.