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Der Patient als Keimquelle in der Intensivpflegestation

Research paper by G. Wewalka, W. Koller, M. Rotter, F. Lackner, F. Coraim, H. Pichler

Indexed on: 01 Dec '76Published on: 01 Dec '76Published in: Infection



Abstract

133 Patienten einer Intensivpflegestation, die bei der Aufnahme keine Symptome bakterieller Infektion zeigten und noch keine Antibiotika erhalten hatten, wurden nach dem Zufallsprinzip zwei Gruppen zugeordnet. Eine Gruppe (+Pat.) erhielt eine Antibiotikaprophylaxe mit Penicillinen oder Cephalosporinen, die zweite Gruppe (−Pat.) erhielt keine Antibiotika. Staph. aureus war bei „−Pat.“ im Trachealsekret und in der Umgebung der häufigste potentiell pathogene Keim. Staph. aureus war im Trachealsekret und in der Umgebung der „−Pat.“ signifikant häufiger als bei „+Pat.“. Klebsiella spp. standen im Trachealsekret und in der Umgebung von „+Pat.“ an erster Stelle. Sie waren im Trachealsekret von „+Pat.“ signifikant häufiger als bei „−Pat.“. In der ersten Woche des Stationsaufenthaltes traten bei „+Pat.“ starke Veränderungen in der Keimflora der Trachealsekrete auf: die Besiedelung mit gramnegativen Keimen stieg auf fast 100% an, gleichzeitig ging die Frequenz von Staph. aureus zurück. In den Abklatschuntersuchungen aus der Patientenumgebung traten gramnegative Stäbchen bei „+Pat.“ in signifikant höheren Koloniezahlen auf als bei „−Pat.“. Die paarweisen Vergleiche von Bakterienstämmen aus den Trachealsekreten und aus der Patientenumgebung ergaben, daß „+Pat.“ gramnegative Keime und „−Pat.“ Staph. aureus signifikant häufiger an die Umgebung abgaben. Auf die Kontamination der Patientenumgebung mit Staph. aureus wirkte sich der Faktor der trachealen Intubation nicht aus. Gramnegative Keime waren im Trachealsekret von intubierten Patienten signifikant häufiger als bei nicht intubierten. Derselbe Trend zeigte sich auch in der Patientenumgebung. Die Antibiotikaprophylaxe konnte, wie die klinischen Ergebnisse der Studie zeigten, die Patienten nicht im erwarteten Ausmaß vor Infektionen schützen. Patienten, insbesondere tracheal-intubierte, die Antibiotika erhalten, sind als Streuquellen für hochresistente gramnegative Keime anzusehen.