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Der Infektionsmarker Procalcitonin in der Herzchirurgie

Research paper by M. Loebe, S. Lodziewski, N. Qedra, F. Brunkhorst, F. Wagner, R. Hetzer

Indexed on: 01 Nov '99Published on: 01 Nov '99Published in: Zeitschrift für Herz-,Thorax- und Gefäßchirurgie



Abstract

Der Einsatz der extrakorporalen Zirkulation führt zu einer erheblichen Stimulation der proinflammatorischen Reaktion. Dies kann bewirken, daß die zeitgerechte Diagnosestellung einer Infektion postoperativ erschwert wird und zeigt den Bedarf nach einem zuverläßigeren Sepsismarker in der postoperativen Phase nach herzchirurgischen Eingriffen.  Wir bestimmten den neuen Sepsismarker Procalcitonin (PCT) in zwei unterschiedlichen Patientengruppen, die jeweils dem Kontakt mit extrakorporalen Kreislaufsystemen ausgesetzt waren. Die erste Gruppe (VAD-Gruppe) bestand aus 38 Patienten mit terminalem Herzversagen, die mit einem ventrikulären Unterstützungssystem Typ Berlin Heart versorgt wurden. Die zweite Gruppe (EKZ-Gruppe) bestand aus 713 Patienten, die einem konventionellen herzchirurgischen Operationsverfahren unterzogen wurden. PCT wurde vor Operation und täglich nach der Operation gemessen. In der VAD-Gruppe waren die präoperativen PCT-Werte in der Lage, Patienten im kardiogenen Schock zu identifizieren, die nach der Operation an einer Infektion verstarben. Darüberhinaus hatten die Patienten, die vor Herztransplantation immer noch erhöhte PCT-Werte aufwiesen, eine schlechte Prognose nach Transplantation.  In der EKZ-Gruppe hatte kein Patient erhöhte PCT-Werte vor Operation. Patienten mit erhöhten Werten am ersten postoperativen Tag hatten eine hohe Inzidenz von Komplikationen in ihrem weiteren Verlauf, während Patienten ohne PCT-Erhöhung einen unkomplizierten Verlauf nahmen.  Sowohl bei Patienten mit kardiogenem Schock als auch nach Einsatz der Herz-Lungen-Maschine ist Procalcitonin in der Lage, bakterielle und pilzbedingte Infektionen zu identifizieren. Daher kann es zur Beurteilung der Transplantabilität von Patienten an Kreislaufunterstützungssystemen herangezogen werden. Der PCT-Wert scheint vom Blutkontakt zu Fremdoberflächen nicht beeinflußt zu werden. Allerdings zeigen eine Reihe von Patienten nach herzchirurgischen Routineeingriffen einen PCT-Verlauf. Die Komplikationsinzidenz ist in dieser Gruppe deutlich erhöht. Möglicherweise ist der PCT-Anstieg auf eine intestinale Minderperfusion während der extrakorporalen Zirkulation zurückzuführen.