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Der Einfluß von Vitamin P auf die experimentelle Penicillin-Intoxikation

Research paper by Rolf Haizmann

Indexed on: 01 Jul '56Published on: 01 Jul '56Published in: Zeitschrift fur die gesamte experimentelle Medizin einschliesslich experimentelle Chirurgie



Abstract

Anhand von 319 Tierversuchen an Meerschweinchen wurden die allgemeinen, hauptsächlich unter dem klinischen Bild einer Enteritis bzw. Enterocolitis verlaufenden, nach Penicillingaben vorkommenden Intoxikationserscheinungen und deren Beeinflussung durch Rutin — einer Substanz mit Vitamin P-Charakter — unter besonderer Berücksichtigung der durchschnittlichen Überlebenszeit sowie der Gewichtsverhältnisse einer näheren Betrachtung unterzogen. Dabei konnte festgestellt werden, daß erstere durch eine intramuskuläre Rutinverabreichung günstig beeinflußt wird, ein Effekt der sich nach intrakarotikaler Penicillin-Applikation auf die ersten 8 Versuchstage beschränkte, dagegen nach intramuskulärer Injektion des Antibioticums über die gesamte Beobachtungszeit zu verfolgen war, wobei 26,1% der Tiere gegenüber 13,1% der Kontrollen eine 21 tägige Versuchsdauer überlebten.Eine entsprechende Beeinflussung erfuhr neben der Intensität klinischer Erscheinungen auch das Verhalten des durchschnittlichen Körpergewichts, welches nach ausschließlicher intraglutäaler Penicillinmedikation einen 10%igen Verlust bereits 9 und einen solchen nach intraperitonealer Rutinapplikation schon 5 Tage nach Versuchsbeginn überschritten hatte, während ein ähnliches Verhalten nach intraglutäaler Rutinverabreichung erst am 16. Beobachtungstage in Kauf genommen werden mußte.Bei den Kontrolltieren ergab sich nach intramuskulärer Penicillin-Injektion sowohl hinsichtlich der klinischen Symptome als auch der Gewichtskurven und Absterbequoten ein in 2 Schüben ablaufendes Bild mit in den ersten 3–4 Tagen sowie der 2. Versuchswoche verstärkten Erscheinungen. Dagegen kam es unter dem Einfluß des intraperitoneal gegebenen Rutins zu einem stürmischen Geschehen innerhalb der ersten Versuchstage, dem, falls die Tiere überlebten, eine rasche Erholungsphase folgte, während die intramuskuläre Verabreichung von Vitamin P eine Abschwächung der Zustandsbilder zur Folge hatte.Ausgehend von den im tierischen Organismus u. U. gleichen Angriffspunkten des Penicillins und Rutins bei entgegengesetzter Wirkungsrichtung wird im Wechselspiel dieser beiden Substanzen ein komplexes Geschehen angenommen und versucht, die diesbezüglichen Mechanismen näher zu umreißen. Ein wirksamer Schutz gegen die Penicillin-Intoxikation beim Meerschweinchen kann erwartet werden, wenn derselben eine bereits ausreichende Rutinwirkung entgegentritt und die Penicillin-Durchdringung des gesunden Gewebes über die erforderliche Zeitspanne hemmt oder sogar weitgehend verhindert.Wurde sowohl das Antibioticum als auch das Rutin gleichzeitig intramuskulär verabreicht, so konnten bei vorliegenden Untersuchungen die besten Resultate erzielt und somit eine Annäherung an das optimale Wirkungsverhältnis angenommen werden.