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Der Einfluß von operativen Eingriffen am Hypophysenvorderlappen auf die Stoffwechsellage des pankreasdiabetischen Hundes

Research paper by H. Lucke, E. R. Heydemann, O. Berger

Indexed on: 01 Jan '34Published on: 01 Jan '34Published in: Zeitschrift fur die gesamte experimentelle Medizin einschliesslich experimentelle Chirurgie



Abstract

In Fortsetzung früherer Untersuchungen über die Beziehungen des kontrainsulären Vorderlappenhormons zum Pankreasdiabetes wurde der Einfluß der isolierten Schädigung des Hypophysenvorderlappens auf die Stoffwechsellage des pankreasdiabetischen Hundes geprüft.Durch isolierte Schädigung des Hypophysenvorderlappens ist es möglich, die Stoffwechsellage des pankreasdiabetischen Hundes so weitgehend zu bessern, daß Tiere, die vorher nur unter dem Schutz namhafter Insulindosen vor dem diabetischen Koma bewahrt werden konnten, nach dem Eingriff am Hypophysenvorderlappen dieses künstlichen Insulinschutzes nicht mehr bedürfen. Ein sonst unvermeidbares Coma diabeticum kann also durch den genannten Eingriff verhindert werden. Der entscheidende Einfluß der isolierten Schädigung des Hypophysenvorderlappens findet in den vor und nach dem Eingriff feststellbaren Blutzuckerwerten und ausgeschiedenen Harnzuckermengen seinen zahlenmäßigen Ausdruck im Sinne einer wesentlich gebesserten Kohlehydrattoleranz.Da bei dem Eingriff und durch diesen bedingt (Narkose!) grundsätzlich mit einer vorübergehenden Extrablutzuckersteigerung zu rechnen ist, muß der Eingriff rechtzeitig vorgenommen werden. Bei schon bestehendem, mit extremer Hyperglykämie verbundenem Koma kommt man mit der Hypophysenoperation in der Regel zu spät und das Tier geht komatös zugrunde, bevor sich die Vorderlappenausschaltung auf den Blutzucker auswirken kann.Rechtzeitig angewandt, kann sich die Ausschaltung des Hypophysenvorderlappens so stark auswirken, daß es bei einem rapiden Blutzuckersturz zu einer Überkompensation mit Sinken des Blutzuckers unter die Norm kommt und ein vorher schwer diabetisches Tier im Anschluß an den Eingriff hypoglykämisch zugrunde geht. Eindeutiger kann der entscheidende Einfluß des Hypophysenvorderlappens auf den Kohlehydratstoffwechsel als Gegenspieler des insulinproduzierenden Pankreas nicht bewiesen werden.Ein Tier, welches weder ein Pankreas noch einen funktionierenden Hypophysenvorderlappen besitzt, wird in dem Verhalten seines Kohlehydratstoffwechsels die Symptome eines Pankreasdiabetes und einer Insuffizienz des Hypophysenvorderlappens vereinigen müssen. Solche Tiere reagieren auf alle Eingriffe, die Blutzuckersenkungen oder-Erhöhungen bedingen, also auf wirksame Vorderlappenextrakte, Adrenalin und Insulin, selbstverständlich auch auf Kohlehydratzufuhr oder-Entziehung, abnorm stark und können in kürzester Zeit mit ihrem Kohlehydratstoffwechsel von dem einen Extrem in das andere fallen. Gerade solche Tiere zeigen in besonders eindrucksvoller Form, daß nicht nur das Pankreas, sondern auch der Hypophysenvorderlappen als dessen entscheidender Gegenspieler für die Aufrechterhaltung eines normalen Kohlehydratstoffwechsels von grundlegender Bedeutung ist.