Quantcast

Das Verhalten der Kapillaren in der Umgebung des Blutegelbisses

Research paper by Bruno Artur Lindemann

Indexed on: 01 Mar '39Published on: 01 Mar '39Published in: Naunyn-Schmiedeberg's Archives of Pharmacology



Abstract

In dem Kopfextrakt des Hirudo medicinalis und in seinem Sekret ließ sich neben Hirudin eine in ihrer Wirkung dem Histamin nahestehende Substanz biologisch nachweisen. Dadurch erklärt sich das Bißphänomen nicht so sehr vom Hirudin als vielmehr von den durch diese Substanz erweiterten Kapillaren aus.Der Blutegelbiß zerfällt, zeitlich gesehen, in zwei Phasen: in die präparative Phase und in die Saugphase. In der präparativen Phase sägt der Blutegel mit seinen Kiefern eine Dreisternwunde, in die er sein Sekret gibt (hier ist es vornehmlich die H-Substanz).Die Blutfülle und die dadurch bedingte Weite der Gefäße, die der Blutegel für sein Saugen braucht, wird mit Hilfe der H-ähnlichen Substanz erzeugt. Durch das rhythmische Saugen des Egels werden dann noch die Kapillaren besonders gedehnt, so daß ein Maximum an Lumenweite entsteht.Ist die Bißwunde genügend vorbereitet, so beginnt die Saugphase, und erst hier hirudinisiert sich der Blutegel das ausgesaugte Blut, und das geschieht erst wahrscheinlich beim Durchtritt des Blutes durch die Schlundringe und nicht in der Wunde, wie es der Versuch bei der Prüfung der Blutgerinnungszeit zeigte.Das Nachbluten ist dann nichts weiter als der Fortbestand der durch diese H-Substanz erzeugten Blutfülle (siehe Erweiterung des subpapillären Plexus) und Weite der Kapillaren, die unfähig sind, sich zu kontrahieren und so die Bildung eines wundverschließenden Thrombus erschweren.Der gestörte Reflexmechanismus der Kapillaren in der Nähe des Blutegelbisses, den Magnus sah, wird höchstwahrscheinlich durch diese H-Substanz verursacht, wie auch die lymphagoge Wirkung des Blutegelbisses, die beobachtet worden ist, wohl auf die gleiche Ursache zurückgeht.