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Das Auge beim Frühgeborenen unter besonderer Berücksichtigung der retrolentalen Fibroplasie

Research paper by Jorma A. Castrén

Indexed on: 01 Feb '59Published on: 01 Feb '59Published in: Klinische Wochenschrift



Abstract

Die Ergebnisse der vorstehend angeführten Untersuchungen lassen erkennen, daß das Geburtsgewicht, unterhalb dessen die verschiedenen auf das Auge selbst zurückzuführenden Defekte (z. B. Refraktionsanomalien und retrolentale Fibroplasie) in außergewöhnlich hohem Maße aufzutreten beginnen, bei 1750 g liegt. Wenn man jedoch die durch mögliche zentrale Ursachen bedingten Augendefekte mit in Betracht zieht (Strabismus, Fusionsmangel usw.), muß die untere Grenze des Geburtsgewichts auf 2250–2500 g heraufgesetzt werden. Unterhalb dieser Grenze können die Augen auch noch als unreif angesehen werden, obgleich sie sich im übrigen schneller weiterentwickeln als andere Organe.Infolge der Bedeutung und Aktualität der retrolentalen Fibroplasie wurden die Theorien über ihre Ätiologie ausführlich erörtert. Das Studium der Ätiologie dieser Erkrankung glich, wenn man so sagen darf, einer dramatischen Arbeit von Detektiven. Eine Vielzahl von Faktoren wurde als Ursache der retrolentalen Fibroplasie angeschuldigt, von denen die meisten jedoch widerlegt worden sind. Verschiedene Umstände lassen darauf schließen, daß die Erkrankung wahrscheinlich eine Reaktion der unreifen Netzhaut auf ein Überangebot an Sauerstoff oder — paradoxerweise aber vielleicht zutreffender — auf einen Mangel an Sauerstoff darstellt. — Zuletzt sei eine Feststellung vonReese (1955a) angeführt: „Mit Ausnahme der Sauerstofftheorie haben sich alle anderen Theorien über die Ätiologie der retrolentalen Fibroplasie nicht bestätigt. Wir glauben, daß wir ein Programm empfehlen können, welches eine überlegtere Anwendung von Sauerstoff bei der Behandlung des frühgeborenen Kindes einschließt, und daß wir uns davon ein wesentlich selteneres Auftreten der Erkrankung erhoffen können, die zur häufigsten Ursache der Erblindung bei Kindern geworden ist.“