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Bestimmung der Cholinesterase-Aktivität in vitro und Berechnung der Aktivität in vivo nach Vergiftung mit Alkylphosphaten

Research paper by W. Schaumann

Indexed on: 01 Jan '60Published on: 01 Jan '60Published in: Naunyn-Schmiedeberg's Archives of Pharmacology



Abstract

Es wurde untersucht, wie stark nach einer Vergiftung mit hohen Dosen von Alkylphosphaten die Cholinesterase-Aktivität in vitro von der in vivo abweicht.1. Nach einer Vergiftung mit Diäthylphosphaten werden in vitro pro Stunde etwa 2% der normalen Aktivität reaktiviert. Das kann die Versuchsergebnisse erheblich verfälschen, da die pharmakologischen Wirkungen dem Verhältnis zwischen der Aktivität vor und nach der Vergiftung proportional sind und nicht dem Unterschied in Prozent der Kontrollen.2. Wenn das Gewebe freien Hemmstoff enthält, so wird dieser die restliche Cholinesterase im Homogenat inaktivieren. Die Menge an freiem Hemmstoff, die man im Gewebe findet, hängt nicht nur von der Dosis, sondern auch von der chemischen Struktur der injizierten Substanz ab. Im Verhältnis zur Dosis enthielt das Gehirn beträchtliche Mengen an ungebundener Substanz 217-AO, aber nur geringe Konzentrationen an DFP. Freies Paraoxon konnte überhaupt nicht nachgewiesen werden, obwohl bis zu 15 mg/kg subcutan gegeben wurden und die angewandte Methode gerade für die Bestimmung dieser Verbindung besonders geeignet war. Ungebundenes Phospholin und 217-AO wurden auch im Zwerchfell gefunden.3. Vor dem Einkippen von Acetylcholin können spontane Reaktivierung und fortschreitende Hemmung der Cholinesterase gleichzeitig ablaufen. Es wird eine Formel angegeben, nach der man den Verlauf der Aktivität in diesem Fall berechnen kann. Die Ferment-Aktivität kann während der Inkubation zu- oder abnehmen, je nachdem welche Reaktion vorherrscht. Solange nicht sehr hohe Konzentrationen an freiem Hemmstoff vorhanden sind, wird dessen Wirkung auf den Rest an aktiver Cholinesterase durch die Zugabe von Acetylcholin vollständig verhindert.4. Für die Bestimmung der Cholinesterase in den Organen von Tieren, die hohe Dosen von Alkylphosphaten erhalten haben, wird folgendes Verfahren vorgeschlagen: Zugabe von Acetylcholin zu dem Puffer, in dem das Gewebe homogenisiert wird, Bestimmung der Geschwindigkeitskonstante für die Reaktivierung und Korrektur der Ergebnisse entsprechend der Aktivitätszunahme während der Inkubation.